Hochschulfinanzierung : Angst vor „Förderruinen“

Wahrscheinlich wird dieses Jahr keine deutsche Eliteuniversität unter den Top 50 der Welt sein. Der Elitewettbewerb könnte im Sande verlaufen, befürchtet Leopoldina-Präsident Volker ter Meulen.

Uwe Schlicht

Beim letzten Shanghai-Ranking war keine deutsche Universität unter den ersten 50 weltweit. Es sei zu befürchten, dass auch beim nächsten Shanghai-Ranking „keine unserer neuen Eliteuniversitäten unter die ersten 50 aufgestiegen ist, was zur Folge haben könnte, dass sich die Politik abwendet und Förderruinen hinterlässt“. Der Präsident der Leopoldina, Volker ter Meulen, sprach diese Warnung wenige Tage vor der Entscheidung in der zweiten Runde des Elitewettbewerbs aus.

Viele Fragen noch ungeklärt

Auf der Jahresversammlung der Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle erinnerte ter Meulen daran, dass die Wegstrecke zur Entwicklung von Eliteuniversitäten „sehr, sehr lang ist und die zugesagten Fördermittel für fünf Jahre nur ein erster Beginn sein können“. Ter Meulen warnte davor, mehrere Fragen ungeklärt zu lassen: Nach wie vor sei noch nicht entschieden, ob es zur Verstetigung des Programms komme oder ob nach fünf Jahren die Finanzierung eingestellt werde.

Sollte die Finanzierung eingestellt werden, müssten dann die notwendigen Mittel für die Fortführung der Graduiertenschulen, Exzellenz-Clustern in der Forschung oder für das Zukunftskonzept der Eliteuniversitäten an anderer Stelle im Universitätsbetrieb eingespart werden? Das hätte dann gravierende Folgen für viele Fächer. Weiter fragte ter Meulen, welche Perspektiven erfolgreiche Nachwuchswissenschaftler hätten, die im Rahmen der Exzellenzinitiative an die Graduiertenschulen geholt wurden. „Es besteht die Sorge, dass die Universitäten nicht genügend Professorenstellen verfügbar haben, um diese Wissenschaftler zu halten.“

Hochschulen sind unterfinanziert

„Seit mehreren Jahrzehnten“ seien die Hochschulen unterfinanziert. Verlierer dieser Schrumpfungsprozesse seien vor allem die kleinen Fächer, Gewinner dagegen jene Fachbereiche, denen das Einwerben größerer Drittmittelbeträge möglich sei. Die bisherigen Bewilligungen im Exzellenzwettbewerb der Universitäten ließen erkennen, dass jene Universitäten Vorteile hätten, in deren Umfeld Max-Planck-Institute oder Helmholtz-Zentren angesiedelt seien, sagte ter Meulen. Der Erfolg der Standorte München und Karlsruhe beweise das.

Die größten Gefahren im Elitewettbewerb lägen im Zurückdrängen der Grundlagenfächer zugunsten anwendungsorientierter Disziplinen. Durch den Zwang zur Clusterbildung in der Forschung in Kooperation mit Max-Planck-Instituten, Helmholtz-Instituten und der Wirtschaft würden „vornehmlich die Geisteswissenschaften benachteiligt“. Die durch den Exzellenzwettbewerb eingeleiteten Reformen könnten erst dann ihre Bewährungsprobe bestehen, wenn Leistungskriterien angewendet werden, „die allen in einer Universität vorhandenen Disziplinen gerecht werden und der Wert des Wissens nicht nur nach der Verwertbarkeit eingestuft wird“.

Lehre im Exzellenzwettbewerb nicht berücksichtigt

Volker ter Meulen merkte kritisch an, dass die Lehre im Exzellenzwettbewerb nicht berücksichtigt worden ist. Unter Hinweis auf den bevorstehenden Studentenberg betonte der Präsident der Leopoldina, dass auch die Lehre einer Förderung bedürfe. Der Hochschulpakt werde „wohl kaum zu einem verbesserten Betreuungsverhältnis führen“.

Politiker und Medien hegten große Hoffnungen, dass die Exzellenzinitiative international messbare Erfolge zeitigen werde. Deswegen müsse die Diskussion um die Exzellenzinitiative sehr differenziert geführt werden – die Politik dürfe keine Förderruinen hinterlassen. Sie müsse die zeitliche Befristung der Eliteförderung aufheben, damit die eingeleiteten Reformen ihre Bewährungsprobe auch tatsächlich bestehen könnten.

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