Hochschulmedizin : Franklin-Ärzte wollen weg von der Charité

Klinikum Benjamin Franklin: Direktoren verteidigen den Vorschlag von FU-Präsident Lenzen, den Standort Steglitz zu privatisieren – und weisen die Kritik des Charité-Vorstands zurück.

Hartmut Wewetzer

Eine Idee und viel Kritik: Der Vorschlag von Dieter Lenzen, Präsident der Freien Universität Berlin (FU), das Klinikum Benjamin Franklin der Charité in Steglitz teilweise zu privatisieren und wieder stärker an die FU zu binden, ist in der Berliner Politik auf breite Ablehnung gestoßen. Aber Lenzen steht nicht allein da. Sein Konzept hat er gemeinsam mit Charité-Klinikdirektoren entwickelt, die ausschließlich im Franklin-Klinikum arbeiten. Dafür wurden die Mediziner nun vom Vorstand der Charité gerügt. In einem Brief an den Vorstand, der dem Tagesspiegel vorliegt, wehren sie sich.

Politische Brisanz hatten die Ideen der Separatisten bekommen, weil sich in der vergangenen Woche die Steglitzer Klinikdirektoren und der FU–Präsident mit Finanzsenator Ulrich Nußbaum getroffen hatten, um ihm ihre Pläne vorzustellen. Nußbaum hatte den Charité-Vorstand zuvor wegen eines angeblich fehlenden Zukunftskonzepts kritisiert und Mittel für einen geplanten Neubau am Standort Mitte gesperrt. Jedoch lehnt auch Nußbaum eine Privatisierung oder Teilprivatisierung strikt ab, wie er am Montag erklärte.

Man sei beunruhigt über öffentliche Äußerungen, die das Franklin-Klinikum infrage stellten, heißt es in dem Brief der Steglitzer Klinikdirektoren an ihren Vorstand. Drei Sonderforschungsbereiche, aus Drittmitteln finanzierte Forschergruppen und überregionale Zentren belegten die Qualität der Arbeit. „Dieses aufgeben zu sollen, ist nur sehr schwer zu vermitteln und zu verstehen.“

Das Franklin-Klinikum habe die „ideale Grundstruktur“ für eine Universitätsklinik, das sei mehrfach von Gutachten festgestellt worden. Die Sanierungskosten würden zudem „in einem vertretbaren Rahmen liegen“.

Die Idee, das Franklin-Klinikum wieder der FU anzugliedern, sei bereits vor dem Gespräch mit dem Finanzsenator dem Charité-Vorstand dargelegt worden. Charité-Chef Karl Max Einhäupl habe „offenkundig“ nicht mit strikter Ablehnung reagiert. Für die Abspaltung von der Charité spreche, dass der „akademische Wettbewerb“ belebt werde. Dabei wolle man nicht anderen Standorten der Charité das Existenzrecht absprechen.

Eine enge Kooperation mit der Charité sei ausdrücklich gewollt. Das gelte zum Beispiel für die Vorklinik und die Labormedizin. Der vom Vorstand erhobene Vorwurf der mangelnden Loyalität treffe daher nicht zu.

Die Vorschläge seien bedauerlicherweise beim Vorstand „ohne hinreichende Resonanz“ geblieben. „Daher würden wir auch sehr gerne die derzeitige Situation mit Herrn Senator Zöllner erörtern.“ Und weiter: „Die Diskussion dieser existenzbedrohenden Situation nicht zulassen zu wollen“ und mit einer Drohung zu reagieren widerspreche „akademischer Kultur und Transparenz“.

Unterschrieben ist der Brief von dem Anästhesisten Christoph Stein, im Namen der Klinikdirektoren Heinz Buhr (Chirurgie), Wolfgang Ertel (Unfallchirurgie), Michael Foerster (Augenheilkunde), Isabella Heuser (Psychiatrie), Andrej Kielbassa (Zahnheilkunde), Heinz-Peter Schultheiss (Innere Medizin/Kardiologie), Harald Stein (Pathologie), Martin Zeitz (Innere Medizin/Magen-Darm-Krankheiten) und Walter Zidek (Innere Medizin/Endokrinologie). Hartmut Wewetzer

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