Hochschulpolitik : Meister der Lehre

Jürgen Zöllner zieht eine positive Bilanz für das vergangene Jahr. Der Senat schafft 2008 neue Studienplätze und Stellen für junge Wissenschaftler. Doch nicht alle Fächer profitieren von der Ausbildungsoffensive.

Anja Kühne

Berlins Abiturienten haben Anlass zu Optimismus: Die Hochschulen können in den kommenden Jahren 2900 zusätzliche Studienanfänger aufnehmen. Die meisten können an den Fachhochschulen unterkommen, die bei Studienbewerbern wegen der kürzeren Studienzeiten und größeren Praxisnähe besonders beliebt sind.

Damit wird die Aufnahmekapazität der Berliner Hochschulen in den nächsten vier Jahren um mehr als zehn Prozent erhöht. Nach Jahren des Abbaus von Studienplätzen leitet Berlin damit eine Wende ein. Zu verdanken ist das zum Gutteil Jürgen Zöllner (SPD). Mit glücklichem Lächeln präsentierte der Wissenschaftssenator die Einzelheiten seiner bereits im vergangenen Sommer angekündigten „Masterplan-Ausbildungsoffensive“ denn auch am Freitag im Roten Rathaus.

Die Qualität der Lehre soll verbessert werden

Dem wissenschaftlichen Nachwuchs bieten sich ebenfalls neue Perspektiven in Berlin. Im Zuge der „Ausbildungsoffensive“ entstehen 15 befristete W-2-Professuren für Lehre, die an je 15 W-2-Stellen für Forschung gekoppelt sind. Bis zu 70 Stellen mit W2- und W3-Besoldung sollen für vorgezogene Nachfolgeberufungen von Frauen geschaffen werden.

Weil neuberufene Fachhochschulprofessoren oft unter dem hohen Lehrdeputat (18 Semesterwochenstunden) leiden, sollen sie in den ersten zwei Semestern nur 12 SWS leisten müssen. Bis zu 60 Neuberufungen können nun durch Lehraufträge entlastet werden. 210 studentische Tutoren mit 40 Monatsstunden sollen die Lehre unterstützen. Weitere 55 Stellen sind für „Seniorprofessuren“ vorgesehen, die nach der Neubesetzung einer Professur noch weiter unterrichten.

35 Millionen Euro zusätzlich hat Zöllner dem Finanzsenator für die Lehre an Hochschulen abgerungen. Und weil Bund und Länder wegen des Studentenbergs einen Hochschulpakt beschlossen haben, bekommt Berlin weitere 22,6 Millionen. Allerdings soll es nicht nur mehr Studienplätze geben, sondern auch die Qualität der Lehre soll verbessert werden. Deshalb sollen die Hochschulen nicht gezwungen werden, alle neu geschaffenen Stellen sogleich mit Studierenden so auszulasten, wie die Kapazitätsverordnung es will. Die Hälfte der Stellen soll vielmehr „nicht kapazitätsrelevant“ sein, kündigte Zöllner an – ein rechtlich heikler Versuch.

Mehr Studienplätze in den Ingenieurswissenschaften

Michael Heine, Präsident der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft, sprach von einem „hoffnungsvollen Signal für die anstehenden Hochschulvertragsverhandlungen“. Heine sagte, die Fachhochschulen wollten die von ihnen aufzubauenden 1700 neuen Studienplätze „ganz vorrangig“ in den Ingenieurwissenschaften einrichten, um etwas gegen den Mangel an Ingenieuren zu tun.

Weil diese Plätze wegen der Laborausstattungen teuer sind, werde man sie auch durch „Quersubventionen“ aus Mitteln des Masterplans für billigere Studiengänge ausstatten. Heine will möglichst viele Frauen auf die neuen Professuren bringen – in den Ingenieurwissenschaften keine leichte Aufgabe.

2007 floß viel Geld in die Wissenschaft

Insgesamt war das Jahr 2007 für Berlins Wissenschaft ein außerordentlich erfolgreiches, wie Zöllner zufrieden feststellte. Mehr als eine halbe Milliarde Euro stehen zusätzlich bereit: Neben den 57,6 Millionen Euro aus dem Masterplan und dem Hochschulpakt, 200 Millionen Euro aus dem Exzellenzwettbewerb, 100 Millionen aus der Overhead-Finanzierung der DFG, 97 Millionen aus dem Bund-Länder-Pakt für Forschung. Weitere 66 Millionen werden frei, weil das Naturkundemuseum in die Leibniz-Gemeinschaft aufgenommen wird und der Teilchenbeschleuniger Bessy in die Helmholtz-Gemeinschaft.

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