Hochschulrektorenkonferenz : Die Rektoren raufen sich zusammen

Die Hochschulrektorenkonferenz will ihre Grabenkämpfe beenden. Traditionsunis und Technische Universitäten, die elitäre Klubs gebildet haben, werden im "Frieden von Neuhardenberg" zum fairen Wettbewerb verpflichtet.

von
Studierende sitzen in einem Hörsaal, ein Professor steht an einem Stehpult und zeigt eine Powerpointpräsentation. Foto: dpa
Wer spricht für die Hochschulen? Dass einige Unis Kartelle bildeten, hat die HRK als "Stimme der Hochschulen" geschwächt.Foto: dpa

Viele Hochschulchefs haben in den vergangenen Wochen einen Anruf erhalten, der sie überrascht hat. In der Leitung war Horst Hippler, der Vorsitzende der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). Sein Anliegen: Troubleshooting vor der Wahl der Vizepräsidenten bei der Mitgliederversammlung am kommenden Dienstag in Frankfurt am Main. Nachdem die Mehrheit der HRK-Mitglieder vor einem Jahr Hipplers Kandidatin Beate Schücking, Rektorin der Universität Leipzig, durchfallen ließ, ist der Posten vakant. Mit seinem Rundruf – dem ersten seit seiner Wahl vor zwei Jahren – wollte Hippler sichergehen, dass diese und andere Personalien jetzt geräuschlos über die Bühne gehen. Die Zeit der Grabenkämpfe in der HRK soll vorbei sein.

Es gibt eine Menge zuzuschütten: Schücking fiel durch, weil sie mit ihrer Uni den German U 15 angehört (hier), dem 2012 gegründeten Verbund der medizinführenden Traditionsuniversitäten. Und weil sie Hipplers Kandidatin war, selber Gründungspräsident der TU 9 der großen Technischen Universitäten mit explizitem Führungsanspruch (hier).

Duisburgs Rektor Radtke kritisierte die "Kannibalisierung"

Den Ärger des großen Rests ohne Mitgliedschaft in einem der elitären Zirkel hat der Rektor der Universität Duisburg-Essen, Ulrich Radtke, ausgesprochen. „Die selbsterklärten Auserwählten. Wie Clubs und Kartelle der deutschen Hochschullandschaft schaden“ überschrieb er seinen offenen Brief an die Unipräsidenten in der HRK (hier). Er kritisierte die „Kannibalisierung“ der Hochschulen untereinander und beklagte, dass die in den German U 15 und TU 9 Organisierten versuchten, sich im Kampf um die knappen öffentlichen Gelder Vorteile zu verschaffen. Die HRK werde von den „durch nichts legitimierten“ Zirkeln instrumentalisiert – und dadurch geschwächt, wetterte Radtke, der eine große, aber junge Universität leitet.

Die Hochschulen wollen wieder mit einer Stimme sprechen

Radtkes Brandbrief hat jedenfalls „den Zeitgeist getroffen“, wie er nicht ohne Genugtuung sagt. Denn in der HRK wuchs der Druck auf die Klubs, sich jenseits vom internationalen Hochschul-Marketing in eigener Sache und dem Lobbying in der Bundespolitik auch wieder zur gemeinsamen Sache zu bekennen. Dies wird jetzt aus Radtkes und auch aus Hipplers Sicht mit dem „Frieden von Neuhardenberg“ besiegelt: Auf dem Schlossgut nahe der polnischen Grenze traf sich Anfang April die Gruppe der Universitäten in der HRK und entwarf ein Papier, in dem sich dem Vernehmen nach alle zum fairen Wettbewerb bekennen. Und vor allem dazu, künftig wieder Seite an Seite um eine bessere Grundfinanzierung für alle Hochschulen zu kämpfen. Die Entschließung soll bei der Mitgliederversammlung in Frankfurt offiziell beschlossen werden.

2015 wird der Präsident gewählt, mit Lenzen und Radtke ist zu rechen

Vor dem „Frieden von Neuhardenberg“ lag allerdings eine Kampfabstimmung. Ulrich Radtke trat gegen Dieter Lenzen an, Präsident der Uni Hamburg und German- U15-Protagonist. Es ging um den Posten als Sprecher der Gruppe der Universitäten. Am Ende konnte Lenzen sich mit einer Stimme Mehrheit durchsetzen, Radtke wird nun sein Stellvertreter. Wenn Horst Hipplers erste Amtszeit im August 2015 endet, er nicht wieder antritt oder es Gegenkandidaten gibt, sei mit Radtke und Lenzen zu rechnen, ist in Rektorenkreisen zu hören.

Doch erst einmal will sich die HRK neu aufstellen. Hippler hat nach eigenem Bekunden das neue Vizepräsidenten-Team in vielen Gesprächen gut eingeführt. Neu gewählt werden sollen der von den Fachhochschulen vorgeschlagene Andreas Bertram, Präsident der Hochschule Osnabrück, Johanna Eleonore Weber, Rektorin der Uni Greifswald, und Ulrich Rüdiger, Rektor der Uni Konstanz. Mit der Frau aus dem Nordosten und dem Unimann, der zwar eine Eliteuni vertritt, aber keinem der Klubs angehört, soll die Konsenstruppe perfekt sein.

Fachschulen sind enttäuscht, dass Promotionen im Verbund nicht Konsens sind

Sind damit wirklich alle im Boot, kann die HRK nun in den wichtigen Fragen wie der Zukunft der Exzellenzinitiative, der Grundgesetzänderung und der Ausfinanzierung der Studienplätze wieder Fahrt aufnehmen? Hippler kündigt an, man werde Bund und Länder nachdrücklich an ihre Verantwortung für die Hochschulen erinnern. „Vor allem in den Ländern werden wir als Kostenfaktor und nicht als Investition in die Zukunft gesehen. Das ist ein Unding“, sagt Hippler.

Bleiben noch die Fachhochschulen und ihr Streben nach dem Promotionsrecht. Dem will sich der HRK-Chef weiter entgegenstemmen, er hat das Privileg der Universitäten schon in der Vergangenheit mit starken Worten verteidigt. Ambitionierte Hochschul-Chefs sind enttäuscht, dass sie keine Zustimmung für das Modell von FH-Verbünden mit forschungsstarken Professoren und Fachbereichen finden, denen Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg das Promotionsrecht verleihen wollen. Gruppensprecher Micha Teuscher, der in Frankfurt zur Wiederwahl antritt, ist sich dennoch sicher, dass sich dieser Weg mittelfristig bundesweit durchsetzen wird – auch ohne den Segen der HRK als „Stimme der Hochschulen“.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben