Wissen : Hollywuff in Düppel

Die Tierklinik der FU ist ein beliebter Drehort

Oliver Trenkamp

Ein Schneeleopard bekommt künstliche Hüftgelenke. Der Eingriff war selbst für Leo Brunnberg nicht alltäglich. Brunnberg ist Dekan des Fachbereichs Veterinärmedizin an der Freien Universität und hat schon einige Tiere kennen gelernt: An seiner Klinik werden jedes Jahr ungefähr 30 000 behandelt. Meist handelt es sich bei den Patienten um Hund, Katze, Meerschwein und Co. Aber: „Etwa ein Drittel sind Exoten“, sagt Brunnberg. Der Schneeleopard war so ein Exot. Er kam aus dem Rostocker Zoo und Brunnberg erinnert sich gut daran, weil die Operation „recht kompliziert aber erfolgreich“ war.

Das weitläufig gelegene Gelände in Düppel beherbergt neben der Kleintierklinik unter anderem Kliniken für Pferde, Klauentiere und die erste europäische Blutbank für Hunde. Die Atmosphäre ist einzigartig: Das geschäftige Treiben der Studierenden, das bange Warten der Tiere und ihrer Halter und das professionelle Arbeiten der Pfleger und Ärzte bieten den Rahmen für zum Teil dramatische Szenen. Manchmal können die Tierärzte den Patienten nicht mehr helfen und Herrchen oder Frauchen verlieren einen treuen Freund. Brunnberg betont jedoch: „Wir schläfern nur ein, wenn es medizinisch notwendig ist.“ Häufiger sind jedoch die Momente, in denen sich Tierhalter über die Genesung ihrer kleinen Lieblinge freuen und sich überschwänglich bei Pflegern und Ärzten bedanken.

Dieses Umfeld entdecken zunehmend auch Film und Fernsehen für sich. Das ZDF lässt hier beispielsweise Episoden der erfolgreichen Familienserie „Unser Charly“ produzieren, in der ein Schimpanse die Hauptrolle spielt. Katja Hartwig von der Produktionsfirma Phoebus Film schwärmt für die realistische Umgebung. Besonders der fachmännische Rat der Spezialisten und das große professionelle und lebendige Umfeld seien von Vorteil. Auch der Rundfunk Berlin Brandenburg ist regelmäßig vor Ort und begleitet in seiner Sendung „Tier zuliebe“ Vier- und Zweibeiner in die Klinik. Andere Sender kommen ebenso gern und nutzen die Kulisse für Dokumentationen und Reality-Formate – von Peter Lustigs „Löwenzahn“ im Kinderkanal bis zum Morgenmagazin in Sat.1, von Pro Sieben bis 3sat. Manche Tiere werden zu kleinen Stars. Einmal kam nach einer Sendung sogar ein Anruf aus Seattle. Der Zuschauer fand einen Hund besonders interessant und wollte mehr über ihn erfahren.

„Die Dreharbeiten beeinträchtigen die Arbeit in keiner Weise“, betont Tierarzt Brunnberg. Zwischen Hundeblutbank und Kleintier-Computertomograph, zwischen Laptop und Pferdeapfel stören die Kameras nicht weiter. Die Veterinärmedizin freut sich vielmehr über das öffentliche Interesse. Während der Produktionen ist dann einfach noch ein bisschen mehr los auf dem Düppeler Campus. Brunnberg nimmt das gelassen. Der nächste Patient wartet. Diesmal ist es ein Hund – auch er braucht ein neues Hüftgelenk.

Weiteres im Internet:

www.vetmed.fu-berlin.de

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