Hominiden-Fossil : Waren unsere frühesten Vorfahren Europäer?

Die Ahnentafel des Menschen führt weit zurück – bis nach Afrika, dachte man bislang. Doch eventuell sind unsere frühen Verwandten aus Europa erst dorthin eingewandert.

BerlinDie Vorfahren der Frühmenschen in Afrika könnten aus Europa eingewandert sein. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler um Salvador Moyà-Solà von der Freien Universität Barcelona nach der Analyse eines 11,9 Millionen Jahre alten Hominiden-Fossils. Ihre Ergebnisse haben sie im Wissenschaftsmagazin PNAS veröffentlicht.

Auf dem Gelände einer ehemaligen Mülldeponie in Els Hostalets de Peirola, nordwestlich von Barcelona, hatten Forscher das Fossil gefunden – erhalten waren Teile der Gesichts- und Kieferknochen sowie einige Zähne. Die Überreste stammen von einer bisher nicht beschriebenen Art, die nun den Namen Anoiapithecus brevirostris bekam.

Anhand bestimmter Knochen-Merkmale konnten die Forscher den frühen Vorfahren in die Abstammungslinie der afrikanischen Hominiden einordnen, aus denen Gorillas, Schimpansen und auch der Menschen hervorgegangen sind. Allerdings zeigt das Fossil ebenfalls Merkmale einer verwandten Gruppe, zu der auch Kenyapithecus zählt.

Die Wissenschaftler vermuten daher, dass diese Schwestergruppen früher Hominiden beide in Europa lebten, bevor sich der Stammbaum in zwei Äste aufspaltete, von denen einer zu den afrikanischen Menschenaffen und schließlich zum modernen Menschen führte. Wenn das stimmt, sind unsere Vorfahren nicht in Afrika entstanden, sondern aus Europa dorthin eingewandert.

Allerdings ist diese Hypothese unter Paläontologen umstritten. Aus der Zeit vor knapp zwölf Millionen Jahren gibt es relativ wenige Fossilien-Funde. In Europa ist die Indizien-Lage noch etwas besser als in Afrika. Noch reichen die Bruchstücke aber nicht aus, um die Evolution der Menschenaffen lückenlos nachzuzeichnen. (Zeit Online)

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