HU und Viadrina : Schwans Regierungsschule startet

Der Lehrbetrieb an der Berliner Humboldt-Viadrina School of Governance beginnt am 1. November - nach sechs Jahren Vorbereitungszeit. Initiatorin war die Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan, Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin.

Amory Burchard

Was macht Gesine Schwan, wenn sie nicht zur Bundespräsidentin gewählt wird? Schwan selbst hält den Wahlausgang am 23. Mai für „völlig offen“. Ein anderes Herzensprojekt der Politikwissenschaftlerin biegt indes in die Zielgerade ein. Nach sechsjähriger Vorbereitung soll die von ihr mitinitiierte Humboldt-Viadrina School of Governance (HVSG) am 1. November den Lehrbetrieb aufnehmen. 2003 hatte Schwan das Projekt als Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) gemeinsam mit dem damaligen Präsidenten der Humboldt-Universität (HU), Jürgen Mlynek, vorgestellt. Kürzlich hat der geplante erste Studiengang Master of Public Policy die letzten Hürden an der HU überwunden. „Ich freue mich, dass dieses große Gemeinschaftsprojekt unserer beiden Universitäten jetzt an den Start geht“, sagt HU-Vizepräsident Uwe Jens Nagel.

Ab sofort können sich Studierende für den Masterstudiengang bewerben. Bewerbungsschluss ist am 31. Juli. Angesprochen seien Absolventen von Magister-, Master- oder Diplomstudiengängen, die mindestens zwei Jahre Berufserfahrung haben und möglichst aus Institutionen der Politik, der Verwaltung, der Wirtschaft oder der Zivilgesellschaft ein Praxisprojekt mitbringen, sagt Stephan Breidenbach, Juraprofessor an der Viadrina und Mitgründer der HVSG.

Das zweijährige Masterprogramm beinhalte rund 40 Präsenztage am Sitz der School of Governance in der Wilhelmstraße in Berlin-Mitte. Das theoretische Wissen werde über multimediale Module für das Fernstudium vermittelt. In Workshops würden die Studierenden den theoretischen Stoff im Dialog mit Professoren der beiden beteiligten Unis und internationalen Dozenten vertiefen und Fähigkeiten wie Verhandeln, Vermitteln und Projektmanagement erwerben. Engagiert seien unter anderem Professoren aus der Wirtschaftswissenschaft, der Politik- und Sozialwissenschaft, der Rechts- und der Kulturwissenschaft. Neben den Gastdozenten sei dies das „intellektuelle Kapital“ des Studiengangs. „Wir werden Führungsnachwuchs für den öffentlichen Raum ausbilden“, sagt Breidenbach. Viadrina-Präsident Gunter Pleuger lobt die „fachliche Expertise“, die in dem Studiengang stecke – und seine starke Praxisorientierung.

Die Studiengebühren für das zweijährige Masterprogramm betragen 18 000 Euro. Es gebe erste Organisationen, die daran interessiert seien, Mitarbeiter an die Humboldt-Viadrina School zu entsenden und die Gebühren zu übernehmen, sagt Breidenbach. Die School of Governance strebe an, für bis zu einem Drittel der Studierenden des ersten Jahrgangs Stipendiengeber zu finden. Breidenbach rechnet mit zunächst 20 bis 25 Studierenden.

Wer die School of Governance leiten wird, sei völlig offen, betont Alexander Blankenagel, Jurist an der Humboldt-Universität und wie Breidenbach Mitorganisator des Public-Policy-Studiengangs. Ein Kandidat werde von einem zehnköpfigen, mit Mitgliedern der Unileitung, Professoren und Externen besetzen Kuratorium gesucht und gewählt. Voraussichtlich werde es zum Semesterbeginn noch keinen Präsidenten geben.

Es gilt allerdings als nicht unwahrscheinlich, dass sich Gesine Schwan um die Leitung bewirbt, falls sie nicht Bundespräsidentin wird. Kurz vor ihrer Nominierung im Mai vergangenen Jahres hatte Schwan erklärt, fest stehe, dass sie an der Governance School lehren wolle. Und sie werde dort eine Plattform aufbauen, auf der Akteure aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft miteinander ins Gespräch kommen. Mit den von ihr moderierten Berliner Governance-Gesprächen hat Schwan diese Plattform bereits gestartet. So diskutierte sie im März mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und Hans-Dietrich Genscher über die Herausforderungen der globalisierten Welt.

Unterdessen hat die School weitere Prominente für sich gewonnen. Ihrem Beirat gehören unter anderem der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan und Bundespräsident a. D. Richard von Weizsäcker an – sowie Schwans Ehemann Peter Eigen, Gründer von Transparency International.

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