• Humboldt-Uni schiebt Indien an den Rand Asien-Forschung wird ausgebaut, der Süden nicht

Wissen : Humboldt-Uni schiebt Indien an den Rand Asien-Forschung wird ausgebaut, der Süden nicht

Amory Burchard

Die Indien- und Pakistan-Forscher an der Humboldt-Universität (HU) schlagen Alarm. Ihr Seminar für Geschichte und Gesellschaft Südasiens am Institut für Asien- und Afrikawissenschaften solle abgewickelt werden, sagt Islamwissenschaftler Peter Heine, der die einzige ordentliche Professor für die Regionen innehat. Die Neubesetzung zweier vakanter Professuren werde vom Präsidium blockiert, sagt Heine. Seine Emeritierung Ende 2008 solle genutzt werden, um den Bereich zu streichen – ungeachtet seiner großen Bedeutung der Region für Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Ein entsprechender Beschluss sei kürzlich von einer HU-Strukturkommission gefällt worden.

Bundeskanzlerin Merkel und Bundesforschungsministerin Schavan bereisen in diesen Tagen Indien – und die HU streicht die Forschung über diese Region? Michael Linscheid, Vizepräsident für Forschung, widerspricht. „Es gibt keinen Schließungsbeschluss“, sagt Linscheid. Die Regionalwissenschaften an der HU würden lediglich „neu strukturiert“. Dabei werde Südasien in drei „Profilbereichen“ jeweils mit bearbeitet. Heines Professur für Islamwissenschaften des nichtarabischen Raums werde mit einer W2- oder W3-Stelle definitiv wiederbesetzt. Die beiden anderen Querschnittsthemen – Ethnologie des Alltags sowie Oralität, Skriptoralität und Medialität – seien noch „in der Diskussion“. „Durch die Querschnittsbereiche sind wir in der Region vertreten und haben Andockpunkte für einen späteren Ausbau“, sagt Linscheid.

Die HU sehe Indien und Pakistan durchaus als wichtige Regionen mit großem wissenschaftlichen Potenzial. Sie seien allerdings nicht unter den regionalwissenschaftlichen Schwerpunkten, die die HU ausbauen will: Im Gegensatz zu Südasien seien die Regionen Afrika, Zentralasien, Südostasien und Ostasien mit je zwei Professuren besetzt oder würden demnächst wiederbesetzt, sagt Linscheid. Damit folge die HU der Empfehlung des Wissenschaftsrats zu den Regionalstudien, wonach Mindestgrößen in den Fächern nicht unterschritten werden dürften, sondern vielmehr „Kernmannschaften“ gebildet werden sollten, die transregionale Studien etablieren könnten. Über die Gewichtung der Regionen habe eine Kommission mit Vertretern der Fakultät, des Instituts für Afrika- und Asienwissenschaft und des Präsidiums entschieden. Dabei sei es darum gegangen, „Stärken nachhaltig zu profilieren“. Die mit nur einer Professur vertretene Südasienforschung galt dabei offenbar als zu schwach.

Dass die vakanten Südasien-Professuren nicht längst wieder besetzt wurden, erklärt Linscheid mit Kürzungen, die der Senat von Berlin den Unis auferlegt hat. Islamwissenschaftler Heine sieht unterdessen den geplanten Masterstudiengang zu Süd- und Südostasien gefährdet– und eine pakistanische Stiftungsprofessur an der HU. Die könnte jetzt nach Heidelberg abwandern, wo die Südasienforschung gerade verstärkt wird. Amory Burchard

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