Humboldt-Uni : TU-Kanzlerin wird HU-Vize

Die Kanzlerin der Technischen Universiät Berlin, Ulrike Gutheil, wird neue Vizepräsidentin für Haushalt und Personal der Humboldt-Universität. Das Konzil HU wählte Gutheil am Dienstag mit knapper Mehrheit.

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Ulrike Gutheil.
Ulrike Gutheil.Foto: picture-alliance / ZB

Gutheil erhielt im ersten Wahlgang 33 Ja-Stimmen. Sie lag damit nur drei Stimmen über der erforderlichen absoluten Mehrheit von 30 Stimmen der 59 Konzilsmitglieder. 19 Wahlfrauen und -männer stimmten mit Nein, eine Stimme war ungültig. Sechs Konzilsmitglieder waren der Wahl ferngeblieben.

Das knappe Ergebnis spiegelte sich in der Reaktion nach der Wahl wider: Nicht alle Konzilsmitglieder erhoben sich zum Applaus, als Gutheil den Senatssaal betrat. Nicht nur die Studierenden, die im Vorfeld gegen die Wahl protestierten, sondern auch einige Professoren blieben sitzen. Gutheil versprach, sie werde „150 Prozent für die Humboldt-Universität geben“ und „auf die zugehen, die mich noch nicht wählen konnten“. Der designierte Präsident Jan-Hendrik Olbertz zeigte sich zufrieden. Er freue sich, mit Gutheil „eine sehr kompetente Partnerin“ im Präsidium zu haben, sagte Olbertz dem Tagesspiegel. Er sei „unheimlich froh, nun zur sachlichen Arbeit überzugehen“. Gutheil solle „schnellstmöglich“ antreten.

Die Personalie Gutheil war kontrovers diskutiert worden. Ein Rolle spielte, dass gegen Gutheil seit zwei Jahren die Staatsanwaltschaft wegen des Anfangsverdachts der Untreue ermittelt. Der Rechnungshof hatte zuvor eine Begünstigung der TU-Kanzlerin zulasten des Unihaushalts gerügt. Auch die Findungskommission wurde von Mitgliedern aller Statusgruppen kritisiert: Sie habe dem Konzil keine Wahlmöglichkeit gelassen, die Entscheidungskritierien für Gutheil seien nicht transparent. Anträge der Studierenden, die Wahl zu vertagen, wurden von der Mehrheit der Professoren zu Beginn der Sitzung abgelehnt. Studierendenvertreter kündigten an, Einspruch gegen die Wahl erheben zu wollen. Ihre Stimmzettel seien mit dem Wort „Studierende“ gekennzeichnet gewesen, was gegen die Regeln einer geheimen Wahl verstoße.

Offensichtlich überwog aber bei vielen Professoren die Meinung, eine Niederlage Gutheils hätte einen zu großen Gesichtverlust für den neuen Präsidenten bedeutet. Der Mathematiker Jochen Brüning sprach von einer „schwierigen, aber politisch klugen Entscheidung“. Der Wirtschaftswissenschaftler Joachim Schwalbach sagte, angesichts der nächsten Runde der Exzellenzinitiative sei die Entscheidung wichtig gewesen. Gutheil sei „ohne Zweifel kompetent“. Die Findungskommission müsse die Transparenz bei der Kandidatensuche künftig aber „deutlich verbessern“. Tilmann Warnecke

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