Wissen : Humboldt-Uni wählt neue Vizes Kritik am Wahlverfahren und am Präsidenten

Das Präsidium der Humboldt-Universität hat nach einer langen Zeit des Übergangs nun wieder ein gewähltes Vizepräsidium. Das Wahlgremium der Uni, das Konzil, wählte am Dienstag den Agrarwissenschaftler Uwe Jens Nagel zum Vizepräsidenten für Studium und Internationales und den Chemiker Michael Linscheid zum Vizepräsidenten für Forschung. Nagel erhielt 41 von 48 abgegebenen Stimmen, acht weitere anwesende Konzilsmitglieder gaben keine Stimme ab. Linscheid bekam 37 von 48 abgegebenen Stimmen der 56 anwesenden Konzilsmitglieder. Die Amtszeit beträgt fünf Jahre.

Die Studierendenvertreter im Konzil protestierten während der Wahl mit Flugblättern gegen das Verfahren. Sie werfen dem HU-Präsidenten Christoph Markschies vor, die Gremien bei der Kandidatenfindung vor vollendete Tatsachen gestellt zu haben. Um die von ihm für den Übergang ausgesuchten kommissarischen Vizepräsidenten ins Amt wählen zu lassen, habe er gemeinsam mit dem Kuratorium der HU potenzielle Kandidaten von außen abgeschreckt: Die Wahl „verkommt dadurch zur Farce“, heißt es auf dem Flugblatt. So habe das Kuratorium den Ausschreibungstext zunächst nur in der „FAZ“, nicht aber wie bei Positionen in Hochschulleitungen üblich auch in der „Zeit“ veröffentlicht. Der Text habe signalisiert, dass die Wunschkandidaten bereits feststehen. Die Studierenden im Konzil blieben aus Protest während der Wahl auf ihren Plätzen. Nur eine studentische Stimme, ohne die der Vizepräsident für Studium nicht gewählt werden kann, wurde abgegeben: ein Zeichen für Nagel, dass die Kritik nicht ihm galt. Auch habe man die Aussicht auf ein arbeitsfähiges Präsidium nicht behindern wollen, erklärte der Student Peter Hartig. Das Amt ist vakant, seit die damalige Vizepräsidentin für Studium im September 2006 zurücktrat, denn ihr Nachfolger erkrankte gleich nach seinem Amtsantritt.

Die Kritik der Studierenden wird auch von anderen Mitgliedern des Konzils geteilt, wie bereits bei einer nicht öffentlichen Aussprache am Dienstag vor einer Woche deutlich wurde. Mitglieder berichten, über alle Gruppen hinweg werde Markschies als führungsschwacher Präsident gesehen. Das Bedürfnis, ihn abzustrafen, habe man aber nicht bei der Wahl an den beiden Kandidaten ausagieren wollen. Allerdings sei die Frage aufgekommen, ob Nagel und Linscheid die Richtigen seien, um Markschies’ Schwächen zu kaschieren und ein Gegengewicht zu bilden. Nagel ist 65 Jahre alt und hat bereits angekündigt, das Amt nach drei Jahren niederzulegen. Einzelne Personen hätten auch die Frage aufgeworfen, einen Antrag auf Abwahl des Präsidenten ins Konzil einzubringen. Wegen zu geringer Erfolgsaussichten habe man davon aber Abstand genommen. akü

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben