Humboldt-Universität : Ihre Exzellenz

Wird die HU mit einem neuen Präsidenten in den Elitewettbewerb gehen? Die Professoren wünschen keine Wiederwahl von Amtsinhaber Christoph Markschies, heißt es aus der Uni.

Tilmann Warnecke
Denkmal von Alexander von Humboldt
Der richtige Mann. An der HU wird über den besten Zeitpunkt für die Präsidentenwahl diskutiert.Foto: dpa

Wird die Humboldt-Universität mit ihrem Präsidenten Christoph Markschies in die nächste Runde des Elitewettbewerbs ziehen – oder wird sie sich frühzeitig einen neuen Präsidenten wählen? Die Signale aus der Uni sind widersprüchlich. Einerseits ist zu hören, Markschies rechne sich Chancen aus und bereite seine Wiederwahl vor. Andererseits wird hinter vorgehaltener Hand erklärt, die Professoren wünschten mehrheitlich einen neuen Präsidenten.

Für die Humboldt-Universität ist die Frage nicht nur besonders heikel, weil weite Abschnitte von Markschies’ Amtszeit von Querelen gekennzeichnet waren und Zweifel an seiner Wirksamkeit als Hochschulleiter bestehen. Besonders brisant ist das Thema zumal, weil Markschies’ reguläre Amtszeit im Dezember 2010 ausläuft – die Präsidentenwahl sich also zeitlich mit der Antragsstellung in der zweiten Runde des Exzellenzwettbewerbs überschneiden würde. Diese zweite Runde des Elitewettbewerbs ist aber für die HU eine Chance, ihr Trauma zu überwinden. In den ersten beiden Durchläufen 2006 und 2007 war die Uni entgegen allen Prognosen gescheitert.

Damit die Uni schlagkräftig in den Wettbewerb geht, warben am Dienstag im Konzil der HU die Professoren dafür, rechtzeitig Klarheit über den Präsidenten zu schaffen. „Es ist eine besondere Schwierigkeit, dass Ende 2010 ein Wechsel des Präsidenten stattfinden könnte“, sagte der Philosoph Volker Gerhardt. Der Antrag der HU müsse von Beginn an das Profil desjenigen Präsidenten widerspiegeln, der die Uni durch den Wettbewerb führt.

Der Kulturwissenschaftler Hartmut Böhme sagte: „Bereits im Sommersemester 2010 sollte das neue Team des Präsidenten stehen. Wir brauchen die Integration des neuen Präsidenten, der die Pläne exekutieren wird.“ Der Mathematiker Andreas Griewank sagte: „Es müssen früh Signale gegeben werden, wer den Antrag nach außen vertritt.“

Aus Zuhörerkreisen hieß es hinterher, die Professoren wollten schnell Klarheit, und viele wünschten einen neuen Präsidenten. „Irgendjemand wird Markschies schon signalisieren, dass er keine Chance auf eine Wiederwahl hat.“ Markschies wollte sich am Dienstag auf Nachfrage des Tagesspiegels nicht äußern. Im Konzil sagte er lediglich, es solle „völlig klar sein, wer die Uni in den Antrag führt“. Man werde den Prozess der Präsidiumswahl „frühzeitig“ zu Ende führen. Werner Röcke, Vorsitzender des Konzils, sagte, der nächste Präsident solle im Sommer 2010 gewählt werden.

Als die HU 2007 im Elitewettbewerb zum zweiten Mal scheiterte, war das für die Uni, die sich als Mutter der modernen Universität sieht, ein Schock. Es folgten heftige Auseinandersetzungen über die Ursachen des Scheiterns und über die Frage, ob und wie das umstrittene Zukunftskonzept von Präsident Markschies umgesetzt werden sollte. Viele Unimitglieder lehnten Teile des Konzeptes ab.

Der Versuch, gleichwohl das Herzstück des Antrags umzusetzen und drei integrative Forschungsinstitute einzurichten, kommt aber nur langsam voran. So stand das  „Integrative Forschungsinstitut für die Lebenswissenschaften“ im Mittelpunkt des Exzellenzantrags vom Jahr 2007. Eröffnet wird es allerdings erst im Oktober, gemeinsam mit einem weiteren integrativen Institut für Naturwissenschaften in Adlershof. Ein weiteres geplantes Institut für die Geisteswissenschaften stehe dagegen in den Sternen, heißt es aus der Uni. Auch für den seit Jahren angekündigten wissenschaftlichen Beirat, der die Unileitung unterstützen soll, sind erst jetzt die Mitglieder nominiert worden (siehe Kasten).

Als Markschies gestern erklärte, wie die Uni den nächsten Elitewettbewerb angehen will, strahlte er dennoch Selbstbewusstsein aus: „Wir gehören ohne Zweifel zu den zehn besten Universitäten des Landes. Es ist Pflicht und Absicht des Präsidiums, dass wir entsprechend unserer Stellung gefördert werden.“ Die Unileitung habe aus Fehlern gelernt.

Markschies hat eine „Task Force“ eingerichtet, die alle Anträge koordinieren soll. Dazu gehören die Germanistin Karin Donhauser, der Chemiker Stefan Hecht, die Geografin Ilse Helbrecht, der Wirtschaftsinformatiker Oliver Günther, der Kulturwissenschaftler Christian Kassung und der Wirtschaftsgeograf Elmar Kulke. Die Konkurrenz sei bereits gründlich analysiert worden, sagte Markschies.

Bei den Professoren stießen Markschies’ Ausführungen auf Zustimmung, vereinzelt aber auch auf Kritik. Die Pläne seien „sehr vielversprechend“, sagte der Mathematiker Jochen Brüning. Wie andere Professoren forderte er aber „eine bessere Kommunikation“ der Pläne als beim letzten Mal. Zudem könne es nicht schaden, Experten von außen einzuladen, „die uns unbarmherzig die Wahrheit sagen“. „Wir müssen eine stärkere Gemeinsamkeit entwickeln“, sagte auch Hartmut Böhme. Markschies vermittelte den Eindruck von Geschlossenheit. Die Dekane und auch viele junge Professoren hätten sich „mit großer Energie“ in die Diskussionen eingeschaltet.

Wie könnte das neue Zukunftskonzept aussehen? Einzelheiten gab Markschies nicht bekannt. Wichtig sei jetzt, „ganz konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Governance-Strukturen“ an der Uni einzubringen. Volker Gerhardt mahnte, die HU müsse sich auf ihre einzigartige Verknüpfung mit kulturellen Institutionen und der Politik sowie ihre Stärke in den Lebenswissenschaften besinnen.

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