Humboldt-Universität : Liberale Muslime sollen ins Institut für Islamische Theologie

Die CDU drängt den Berliner Senat zum Handeln. Ein Institut ohne liberale Vertreter sei "hinfällig"

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Liberal. Koran-Bücher im Gebetsraum der liberalen Ibn Rushd-Goethe Moschee.
Liberal. Koran-Bücher im Gebetsraum der liberalen Ibn Rushd-Goethe Moschee.Foto: imago/Reiner Zensen

Am Institut für Islamische Theologie der Humboldt-Universität sollen auch Muslime liberaler Ausrichtungen des Islams beteiligt werden. Das fordert die CDU-Fraktion in einem dringlichen Antrag, der am morgigen Donnerstag im Abgeordnetenhaus beschlossen werden soll. Neben den bislang im Beirat des Instituts vorgesehenen fünf Vertretern von traditionell-konservativen Verbänden sollten zwei Vertreter liberaler Ausrichtungen dem Beirat angehören, etwa des Liberal-Islamischen Bundes oder der Ibn-Rush-Goethe-Moschee. Die Ibn-Rush-Goethe-Moschee wurde erst vor drei Wochen von der Anwältin Seyran Ates in Berlin gegründet. Ates und ihre Mitstreiter bekommen seitdem zahlreiche Morddrohungen von Islamisten.

Die Absolventen sollen in den Moscheegemeinden arbeiten

Der Gründungsbeauftragte des Instituts, der Historiker Michael Borgolte, steht bislang auf dem Standpunkt, die bisher für den Beirat vorgesehenen Verbände würden die größte Zahl der Muslime vertreten. Das sei wichtig, weil die Absolventen des Instituts eine Anstellung in den Moscheegemeinden finden sollten. Borgolte hatte gleichwohl unlängst versichert, auch liberale Richtungen sollten Gelegenheit bekommen, im Beirat mitzuwirken. Die Möglichkeit von Zuwahlen sollten im Vertrag zwischen der HU, dem Senat und Verbänden vorgesehen werden. Die CDU-Fraktion verweist jedoch darauf, dass dem Eckpunktepapier zufolge nur mit einem einstimmigen Beschluss weitere Mitglieder in den Beirat aufgenommen werden können.

Außerdem herrscht an der HU die Befürchtung, dass die konservativen Verbände abspringen, wenn auch liberale Vertreter in den Beirat kommen. „Das ist mir völlig egal“, sagt dazu der CDU-Abgeordnete Burkhard Dregger. Würden die liberalen Muslime ausgegrenzt, werde damit das ganze Institut hinfällig. Dessen Ziel sei es ja gerade, dass die Vertreter verschiedener Strömungen an der Hochschule in einen (selbst-)kritischen Austausch eintreten. Die konservativen Vertreter dürften kein Monopol haben, schon weil der Islam pluralistisch sei. Die Verbände sollten dankbar sein, dass Berlin das Institut finanzieren wolle.

Staatssekretär Krach: "Dieser Prozess muss mit aller Sorgfalt betrieben werden"

Steffen Krach, Staatssekretär für Wissenschaft, hatte der HU bislang freie Hand in der Sache gewährt. Auf Nachfrage erklärt er: „Das Eckpunktepapier ist die Grundlage für den Aufbau des Instituts und es lässt auch eine Weiterentwicklung unter der Regie der Humboldt-Universität zu. Dieser Prozess muss mit aller Sorgfalt betrieben werden.“ Die „unabgestimmten Schnellschüsse der CDU“ seien „unseriös“ und würden den Prozess „schädigen“.

Die Grüne Bettina Jarasch hält die Forderung, den Beirat für liberale Muslime zu öffnen, für legitim. Allerdings werde der geforderten „Vielfalt“ im Beirat noch längst nicht Rechnung getragen, wenn dort nur Vertreter des Liberal-Islamischen Bundes oder der Ibn-Rush-Goethe-Moschee säßen. Arabische oder bosnische Muslime blieben zum Beispiel weiter nicht repräsentiert. Vor allem sei zu beachten, dass Seyran Ates oder der Liberal-Islamische Bund nur wenige Muslime repräsentierten. In den Reihen der im Beirat bislang vertretenen größeren konservativen Gemeinschaften gebe es aber durchaus liberal gesonnene Akteure mit größerer Reichweite. Ihre Aktivitäten, etwa in der Bildungsarbeit, müssten gestärkt werden. Anja Kühne

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