Humboldt-Universität : Markschies geht

Der Präsident der Humboldt-Universität verzichtet auf eine erneute Kandidatur, tritt bei der Wahl 2010 nicht wieder an. Er wolle in die Wissenschaft zurückkehren, erklärte Christoph Markschies am Dienstag.

Uwe Schlicht

Zu ihrem 200. Geburtstag bekommt die Humboldt-Universität einen neuen Präsidenten. Christoph Markschies, der Ende 2005 gewählte amtierende Hochschulleiter, will bei den im Jubiläumsjahr anstehenden Präsidentenwahlen nicht noch einmal kandidieren. Das erklärte Markschies am gestrigen Dienstag vor dem Akademischen Senat der HU.

Viele Universitätsangehörige hätten ihn gebeten, für eine zweite Amtszeit zur Verfügung zu stehen, betonte Markschies: „Ich habe mich nach einer längeren Phase des Nachdenkens für die Wissenschaft entschieden.“ Aus Hochschulkreisen war am Dienstag indes zu hören, dass Markschies in den letzten Monaten an der HU massiv um Zustimmung zu einer erneuten Kandidatur geworben habe – offensichtlich ohne durchschlagenden Erfolg. Vom 1. Januar 2011 an wolle er „wieder ausschließlich in Wissenschaft und Lehre tätig sein“, erklärte Markschies gestern.

Im Akademischen Senat wurde weder über die Suche nach einem neuen Kandidaten noch über einen Wahltermin gesprochen. Gleichwohl dürfte damit feststehen, dass Markschies nicht vor dem Ende seiner offiziellen Amtszeit zurücktreten will und der oder die Neue zu Beginn des Jahres 2011 antreten soll.

Wenn er erneut für das Präsidentenamt kandieren würde, wäre er zehn Jahre in der akademischen Selbstverwaltung tätig, sagte Markschies. Damit wäre ihm eine Rückkehr in die Wissenschaft unmöglich. „Akademische Ämter werden auf Zeit ausgeübt und mit der Aussicht, danach wieder in das normale Glied als Wissenschaftler zurückzukehren.“ An dieser Tradition wolle er festhalten. Der Akademische Senat nahm Markschies’ Erklärung ohne Aussprache zur Kenntnis.

Unmittelbar zuvor hatte der Vorsitzende des Konzils, Werner Röcke, bekannt gegeben, dass 2010 nicht nur die Wahl des neuen Präsidenten, sondern auch die Wahl aller Vizepräsidenten stattfinden solle. In Zukunft solle verhindert werden, dass die Amtszeiten von Präsidenten und Vizepräsidenten voneinander abweichen. Eine solche geschlossene neue Hochschulleitung sei eine Voraussetzung für ein erfolgreiches Abschneiden der HU in der neuen Runde des Exzellenzwettbewerbs. In der letzten Runde hatte die Humboldt-Universität zu ihrer eigenen Überraschung schlechter abgeschnitten als die Freie Universität Berlin. Die FU erhielt mit ihrem Zukunftskonzept den Elitestatus. Die HU dagegen blieb mit ihrem Zukunftskonzept, das maßgeblich von Christoph Markschies formuliert worden war, ohne Erfolg.

Bereits im Juli hatten sich Professoren im Konzil der HU einen straffen Zeitplan für die Wahl gewünscht. Wegen der anstehenden neuen Runde im Exzellenzwettbewerb müsse es rechtzeitig Klarheit über den Präsidenten geben, hatte der Philosoph Volker Gerhardt gefordert. Es wäre „eine besondere Schwierigkeit, dass Ende 2010 ein Wechsel des Präsidenten stattfinden könnte“. Der neue Antrag der HU müsse von Beginn an das Profil desjenigen Präsidenten widerspiegeln, der sie dann auch durch den Wettbewerb führe.

Der Kulturwissenschaftler Hartmut Böhme hatte verlangt, dass das neue Team aus Präsident und Vizepräsidenten „bereits im Sommersemester 2010“ stehen sollte. „Wir brauchen die Integration des neuen Präsidenten, der die Pläne exekutieren wird“, hatte Böhme erklärt.

Markschies ist seit dem 1. Januar 2006 Präsident der HU. Der Professor für Kirchengeschichte und Spezialist für die alte Kirche und das Mittelalter ist Träger des renommierten Leibnizpreises der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Außerdem ist er Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und korrespondierendes Mitglied der Heidelberger Akademie. Uwe Schlicht

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