Humboldt vor der Wahl : Olbertz pokert

Die Zeit drängt, doch Jan-Hendrik Olbertz, der Präsident der Humboldt-Universität, will noch nicht klar sagen, ob er wieder kandidiert.

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Humboldt, wohin? Präsident Jan-Hendrik Olbertz möchte die Haushaltsführung reformieren. Aber ist das wirklich nötig, fragen sich manche. Foto: imago/Jens Jeske
Humboldt, wohin? Präsident Jan-Hendrik Olbertz möchte die Haushaltsführung reformieren. Aber ist das wirklich nötig, fragen sich...Foto: imago/Jens Jeske

Will er? Oder will er nicht? Jan-Hendrik Olbertz, der Präsident der Humboldt-Universität, lässt erstaunlich lange offen, ob er sich für eine zweite Amtsperiode zur Wahl stellen wird. Inzwischen wird an der HU darüber spekuliert, ob der ursprünglich geplante Wahltermin, der 5. Mai, noch zu halten ist. Denn Olbertz könnte seinen Hut theoretisch noch lange nach Auslaufen der offiziellen Bewerbungsfrist am morgigen Freitag in den Ring werfen. Eine abgelaufene Frist ist schließlich kein Grund dafür, einen präsidiablen Bewerber aus dem Verfahren zu halten. Dem Tagesspiegel sagte Olbertz am Mittwoch: „Ich bin grundsätzlich bereit, zu kandidieren.“ Diese Aussage bringt aber keine finale Klärung. Schließlich sagt der Präsident bewusst nicht glasklar: „Ich kandidiere.“ Er laviert.

Folgt die HU ihm nicht, kann er auf das Amt auch verzichten, so die Botschaft

Das wurde schon durch die ungewöhnliche Formulierung der Ausschreibung vom 15. Januar deutlich: „Der derzeitige Amtsinhaber hat in Aussicht gestellt, erneut für das Amt zu kandidieren.“ – In Aussicht gestellt? Üblicherweise heißt es in solchen Fällen schlicht: „Der derzeitige Amtsinhaber bewirbt sich.“ Die Humboldtianer haben den feinen Unterschied sehr wohl registriert: Der Präsident macht seine Kandidatur von Bedingungen abhängig, er verlangt einen Treuebeweis. Folgt die HU nicht, könnte er auf die Kandidatur verzichten, lautet seine Botschaft.

Welche Bedingungen dazu führen könnten, dass er seine Kandidatur ohne Wenn und Aber erklärt, will Olbertz öffentlich nicht sagen. An der Uni ist jedoch allgemein bekannt, worum es ihm geht. Olbertz will, dass das Konzil der HU die Verfassung der Uni ändert und das „Kanzlermodell“ einführt. Der Posten des Vizepräsidenten für Haushalt würde abgeschafft. Diesen Wunsch hat das Konzil, dem 61 Mitglieder angehören, dem Präsidenten im November aber abgeschlagen. Zu Olbertz’ Verdruss ist die Position des im Moment nur interimsweise besetzten Vizepräsidenten für Haushalt inzwischen zur Neubesetzung ausgeschrieben. Olbertz will, dass das Konzil seine Meinung rechtzeitig vor seiner Wahl ändert, heißt es aus der Uni. Schließlich würde das Gremium sonst widersprüchlich handeln: Es würde sich erneut für Olbertz entscheiden, sein zentrales Anliegen aber ablehnen.

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