• Im Exzellenzwettbewerb: „Mit meiner ganzen Erfahrung für die Freie Universität Berlin“

Im Exzellenzwettbewerb : „Mit meiner ganzen Erfahrung für die Freie Universität Berlin“

Das Kuratorium der FU hat Jürgen Zöllner, Berlins früheren Wissenschaftssenator (SPD), zu seinem neuen Vorsitzenden gewählt. Wie es mit der FU und Berlin im Exzellenzwettbewerb weiter geht

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Die Rostlaube der Freien Universität Berlin.
Die Rostlaube der Freien Universität Berlin.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Herr Zöllner, Sie sind soeben zum Kuratoriumsvorsitzenden der FU gewählt worden. Wie wird die FU von Ihnen profitieren?
Ich werde jedenfalls alles, was ich an Erfahrungen habe, in die Entwicklung dieser Universität einbringen.

FU-Studierende haben kritisiert, kaum ein hochrangiger SPD-Politiker habe so offen für ein sozial selektives Bildungssystem plädiert wie Sie – gemeint ist etwa Ihr Plädoyer, Studiengebühren für Nicht-EU-Ausländer einzuführen sowie ihr Engagement für die exzellenten „Leuchttürme“ unter den Universitäten. Was antworten Sie den FU-Studierenden?

Das war eine kleine Gruppe von Studierenden, die sich da geäußert hat. Mir ist auch völlig unverständlich, dass man mir fehlendes Gespür für die sozialen Belange von Studierenden vorgeworfen hat. Ich erinnere an das Jahr 2005, als nur ein einziges westdeutsches Land, nämlich das von mir als Wissenschaftsminister mitregierte Rheinland-Pfalz, keine Studiengebühren eingeführt hat. Berlin hat ebenfalls davon abgesehen, aber nur, weil der Regierende Bürgermeister Wowereit sich in einer politischen Konstellation befand, die das nicht zuließ. Ich bin auch kein Freund von Gebühren für Nicht-EU-Ausländer. Aber ich habe darauf hingewiesen, dass wir uns dieser Diskussion stellen werden müssen, wenn unsere Studierenden in den USA oder Australien 40 000 Dollar fürs Studium ausgeben.

Jürgen Zöllner, 69, Berlins früherer Wissenschaftssenator (SPD), ist Vorstand der Stiftung Charité der Unternehmerwitwe Johanna Quandt.
Jürgen Zöllner, 69, Berlins früherer Wissenschaftssenator (SPD), ist Vorstand der Stiftung Charité der Unternehmerwitwe Johanna...Foto: Kitty Kleist-Heinrich

In fast allen deutschen Hochschulräten sind Unternehmen und Banken vertreten. Vertreter anderer Interessen oder Künstler sind in den Kuratorien weit weniger präsent. Warum haben Unternehmer an staatlichen Hochschulen so selbstverständlich Vorrang?

Künstler fehlen mir auch, aber sie sind sehr schwer zu gewinnen. Allerdings ist die Wirtschaft über die zentrale Hochschulaufgabe Wissenstransfer natürlich ein besonderer Partner.

Als Berliner Wissenschaftssenator mussten Sie den Sparkurs des Senats gegenüber den Hochschulen mittragen. Wie weit hat die Mittelknappheit die FU hinter vergleichbare Unis in Baden-Württemberg und Bayern zurückgeworfen?

Zunächst mal: In meiner Zeit wurde der jahrelange Trend des Sparens entscheidend umgekehrt. Es gab deutliche Zuwächse für die Berliner Hochschulen und für die Charité. Natürlich hat der Sparkurs in der Zeit davor die Universitäten belastet. Aber es ist ja etwa am Ausgang des Exzellenzwettbewerbs zu sehen gewesen, dass die Umkehr auch zu guten Ergebnissen geführt hat.

Die Freie Universität hat sich zweimal im Exzellenzwettbewerb durchgesetzt. Wie geht es mit ihr in den nächsten zehn Jahren vermutlich weiter?

Den dreien, die damals den Exzellenzwettbewerb aus der Taufe gehoben haben, nämlich der Bundesministerin Edelgard Bulmahn, Baden-Württembergs Wissenschaftsminister Peter Frankenberg und mir, war damals klar, dass es bei dem Exzellenzwettbewerb darum geht, diejenigen Universitäten zu identifizieren, die auf Dauer gefördert werden sollen. Wie ich mir die nächste Exzellenzinitiative vorstelle, habe ich schon gesagt: Es soll ein einheitliches Förderformat für die Spitzenforschung und den wissenschaftlichen Nachwuchs geben. Am Ende hat man etwa 20 Universitäten, die in mindestens einem Bereich gefördert werden. Da hat auch die FU sehr gute Chancen. Bundesweit sollten sich drei bis fünf Standorte herausschälen, die das Potenzial haben, in der weltweiten Spitze mitzuspielen. Das muss für Berlin von besonderem Interesse sein, denn als Standort mit so vielen Wissenschaftseinrichtungen kommt es dafür natürlich in Frage.

Die Fragen stellte Anja Kühne.

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