Imatinib : Blutkrebspatienten mit Tabletten geheilt

Eine Therapie mit dem Wirkstoff Imatinib hat Tumorzellen bei einer Leukämievariante verschwinden lassen. Jetzt steigt auch die Hoffnung bei anderen Krebsarten.

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Erfolgsprodukt. Das Imatinib-Präparat Glivec kam schon 2001 auf den Markt. Foto: ddp
Erfolgsprodukt. Das Imatinib-Präparat Glivec kam schon 2001 auf den Markt. Foto: ddpFoto: ddp

Berlin - Französischen Ärzten ist es gelungen, Blutkrebs mithilfe von Tabletten möglicherweise vollständig zu kurieren. Die Mediziner behandelten Kranke, die an einer chronisch-myeloischen Leukämie litten, mit dem Wirkstoff Imatinib. Bei Patienten, die zwei Jahre lang gut auf die Therapie ansprachen, setzten sie den Wirkstoff ab. 40 Prozent der Kranken sind bis heute frei von Blutkrebs, manche bereits bis zu zwei Jahre, berichten die Ärzte in der Online-Ausgabe des Fachblatts „Lancet Oncology“. Bei den anderen kam es zu einem Rückfall, der jedoch erneut erfolgreich behandelt werden konnte.

Die chronisch-myeloische Leukämie (CML) ist die zweithäufigste Form von Blutkrebs. In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 2000 Menschen an der CML. Die Achillesferse des Tumors ist ein Eiweiß mit Namen BCR/ABL. Es ist typisch für CML und lässt die Krebszellen wuchern. Imatinib blockiert das BCR/ABL-Protein, in der Folge sterben die Tumorzellen ab.

Das 2001 zugelassene Imatinib (Präparatname „Glivec“, Hersteller Novartis) gilt als größte Innovation in der Tumormedizin des letzten Jahrzehnts. Zum ersten Mal war es gelungen, ein Krebsmedikament zu entwickeln, das zudem leicht einzunehmen ist und vergleichsweise gut verträglich ist. Bis dahin galt die CML als unheilbar, mit Ausnahme einer aufwendigen und riskanten Knochenmarktransplantation. Imatinib hat dieses Bild völlig verändert, denn die CML ist zu einer überwiegend „chronischen“ Krankheit geworden, mit der Patienten lange leben können. Und von der sie, wie sich nun herausstellt, vielleicht sogar gänzlich befreit werden. Um den endgültigen Beweis zu erbringen, müssen die „kurierten“ Patienten noch weiter beobachtet werden.

Allerdings kann nur bei jedem zehnten Patienten mit CML gewagt werden, das Medikament abzusetzen, berichten Francois-Xavier Mahon von der Universität Bordeaux und seine Kollegen in „Lancet Oncology“. Das könnte sich ändern, wenn künftig Blutkrebspatienten mit den beiden Nachfolgewirkstoffen Dasatinib oder Nilotinib behandelt werden. Diese gelten als erheblich wirksamer und könnten den Anteil der geheilten Patienten weiter wachsen lassen. Die Jahreskosten der Therapie belaufen sich bei Imatinib auf rund 40 000 Euro, bei den zwei neuen Substanzen auf jeweils etwa 70 000 Euro.

Der Erfolg dieser neuartigen Therapie hat dazu geführt, dass in den Forschungslabors nach ähnlichen Substanzen für häufigere Tumorarten wie Brust- oder Darmkrebs gesucht wird. Es geht darum, die Schwachstelle des Krebses ausfindig zu machen und zu bekämpfen. Die Erfolge sind bisher begrenzt, viele Forscher hoffen aber, dass ein Durchleuchten des Erbguts von Krebszellen die Ergebnisse verbessert. Vor kurzem berichteten amerikanische Ärzte über erste Behandlungserfolge bei Lungenkrebs mit dem Wirkstoff Crizotinib. Allerdings schlägt die Therapie nur bei jenen Patienten an, die bestimmte genetische Veränderungen in den Tumorzellen haben.

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