Wissen : Immer mehr junge Biertrinker

Eine Umfrage: Alcopop-Steuer kann den Konsum Jugendlicher nur kurzzeitig bremsen

Adelheid Müller-Lissner

Jugendliche in Deutschland trinken nach einem kurzfristigen Rückgang wieder mehr Alkohol. Laut einer am Dienstag in Berlin veröffentlichten Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung konsumieren 12- bis 17- Jährige wöchentlich im Durchschnitt 50,4 Gramm reinen Alkohol. Das entspricht rund 1,3 Litern Bier. Im Jahr 2004 waren es dagegen 44,2 Gramm (1,1 Liter), 2005 nur 34,1 Gramm (0,8 Liter). Ursache für den Anstieg ist ein höherer Konsum von Bier, aber auch von bier- und weinhaltigen Mischgetränken und Spirituosen.

Die Drogenbeauftragte Sabine Bätzing nannte die Zahlen „besorgniserregend“. Eigentlich wollen die Initiatoren der morgen beginnenden Suchtwoche, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS), mit ihren Aktionen diesmal vor allem die Erwachsenen erreichen. Mit einem handlichen Selbsttest, der in einer Auflage von 1,5 Millionen gedruckt wurde und in jede Hosentasche passt, will man nach den Worten Bätzings, die zugleich als Schirmherrin der Aktionswoche fungiert, „das Bewusstsein für den eigenen, nicht selten riskanten Alkoholkonsum stärken“.

Berichte über Flatrate-Partys und Komatrinken führen aber dazu, dass der Blick wieder besonders auf das riskante Trinkverhalten Jugendlicher gerichtet wird. Passend dazu wurden gestern der Presse erste Daten aus einer repräsentativen Telefonbefragung von 2713 Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren vorgestellt, die die BZgA bei Forsa in Auftrag gegeben hat.

Interessant sind die Ergebnisse vor allem im Vergleich mit denen aus den Befragungen der Jahre 2004 und 2005. Denn im Jahr 2004 waren Politik und Öffentlichkeit von der Tatsache alarmiert, dass 21 Prozent der Jugendlichen angaben, mindestens einmal in der Woche Alkohol zu trinken – der unter 16-Jährigen überhaupt noch nicht verkauft oder ausgeschenkt werden darf.

Das führte zur Einführung einer Sondersteuer auf die süßen, spirituosenhaltigen Alcopops. Mit der Folge, dass im Jahr 2005 nur noch 16 Prozent der Jugendlichen diese mindestens einmal im Monat konsumierten, während es 2004 noch 28 Prozent waren. Außerdem ging der regelmäßige, mindestens einmal wöchentliche Konsum alkoholischer Getränke im Jahr 2005 auf 19 Prozent zurück.

„Die Ergebnisse zeigen, dass die Maßnahmen gegen den Alcopop-Konsum Wirkung zeigen“, folgert Elisabeth Pott, Direktorin der BZgA. Doch in die Zufriedenheit mischt sich ein Wermutstropfen, wenn man die neuen Zahlen betrachtet. Denn inzwischen geben mit 22 Prozent sogar etwas mehr Jugendliche als im Jahr 2004 an, regelmäßig Alkohol zu trinken.

Bier, aber auch Spirituosen stehen inzwischen an der Spitze der Beliebtheitsskala. Angestiegen ist auch die Menge des wöchentlich konsumierten Alkohols, besonders auffällig bei den männlichen Jugendlichen ab 16 Jahren. Lagen sie 2004, vor der Sondersteuer auf Alcopops, bei 127 Gramm reinem Alkohol pro Woche, im Jahr 2005 dann bei 108 Gramm, so stieg der Konsum im Jahr 2007 auf 150 Gramm. Das sind ungefähr zwei Gläser Bier oder Wein – jeden Tag.

Eine Entwicklungen ist die Zunahme des „Binge-Drinkings“. Gaben im Jahr 2005 noch 40 Prozent der Jugendlichen über 16 Jahre an, in den letzten vier Wochen mindestens einmal fünf Gläser oder mehr getrunken zu haben, so sind es jetzt schon 50, bei den jungen Männern sogar 63 Prozent. Zu den Gründen könne man noch nichts sagen, da die Daten noch nicht vollständig ausgewertet seien, sagte Pott. Der niedergelassene Arzt Christoph Freiherr von Ascheraden nannte das mangelnde Selbstwertgefühl vieler Jugendlicher als Grund. Sie brauchten den Alkohol, „um so aufzutreten, wie sie es eigentlich möchten“. Tragischerweise endet der Wunsch dann oft im völligen Absturz.

Die Angebote zur Suchtwoche finden sich unter: www.suchtwoche.de

Die Studienergebnisse finden sich unter: www.bzga.de, Stichwort Forschung

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben