Immunbiologie : Malaria-Impfstoff gibt Afrikas Babys Hoffnung

Tests in Mosambik zeigen, dass der Impfstoff für Säuglinge sicher ist.

Michael Hopkin

Eine Malaria-Impfstoff-Testreihe in Mosambik hat gezeigt, dass das Mittel sicher und effektiv bei wenigen Wochen alten Babys wirkt. Die Studie bringt den Impfstoff einer großflächigen Nutzung einen Schritt näher; gute Nachrichten besonders für Säuglinge, die das größte Risiko tragen, an dieser Krankheit zu sterben.
Es gibt noch immer keinen offiziell zugelassenen Impfstoff für Malaria, die jedes Jahr mehr als eine Million Menschen das Leben kostet, die meisten von ihnen Babys in Afrika. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass etwa alle 30 Sekunden ein Kind an Malaria stirbt.
Die letzte Versuchsreihe gibt Anlass zur Hoffnung, dass das Rätsel um den Malaria-Impfstoff gelöst ist und Babys in den ersten zwei Lebensjahren vor der Krankheit geschützt werden können: eine Strategie, die Tausende Tote verhindern könnte.
Details dieser Versuchsreihe, die im Lancet (1) veröffentlicht wurden, werden diese Woche in Seattle auf einer Konferenz von Malaria-Experten vorgestellt, organisiert von der Bill und Melinda Gates Foundation, auf der zukünftige Strategien zur Bekämpfung der Krankheit erörtert werden sollen.

Infektionen bei Säuglingen

Die letzte Versuchsreihe ist die erste, die die Wirkung eines experimentellen Impfstoffs mit der Bezeichnung RTS,S bei sehr kleinen Babys untersucht. 2004 wies ein Team unter der Leitung von Pedro Alonso vom Barcelona Center for International Health Research in Spanien nach, dass RTS,S Kindern im Alter von ein bis vier Jahren für ungefähr 18 Monate einen recht guten Impfschutz bietet. Doch Malaria-Experten sind sich einig, dass ein Impfstoff bereits möglichst kurz nach der Geburt verabreicht werden sollte.
Also testete dieselbe Gruppe den Impfstoff an 214 Babys in Mosambik, wo Malaria weit verbreitet ist und Infektionen das ganze Jahr hindurch auftreten. Die Hälfte der Kinder erhielt RTS,S in einer Impfreihe im Alter von 10, 14 und 18 Wochen. Die anderen Kinder bekamen eine Impfung gegen Hepatitis B, um sicherzustellen, dass die Ergebnisse der Malaria-Impfstoff-Gruppe auf die Wirkung des Impfstoffs zurückzuführen waren, und nicht auf die Impfmethode.
In der gegen Malaria geimpften Gruppe gab es während der sechs Monate dauernden Studie 22 Fälle von Infektionen durch den Malaria-Parasiten, Plasmodium falciparum - verglichen mit 46 Fällen in der Kontrollgruppe. Das Mittel war also zu etwa 66 % erfolgreich, wie die Forscher berichten.
"Der Impfstoff ist teilweise erfolgreich, also wird er ein weiteres Werkzeug in unserem Arsenal sein", sagt Christian Loucq, Direktor der PATH Malaria Vaccine Initiative in Bethesda, Maryland, die die Studie finanziert hat.
Bereits vorhandene Vorsichtsmaßnahmen im Kampf gegen Malaria, wie Moskitonetze und Insektensprays, werden auch weiterhin unverzichtbar sein, betont Loucq.

Ziel für 2013

Auch wenn er nicht hundertprozentig wirksam ist, nimmt der neue Impfstoff, den GlaxoSmithKline entwickelt hat, doch viele technologische Hürden. Der komplexe Lebenszyklus von P. falciparum macht Malaria zu einer schwieriger durch Impfung zu besiegenden Krankheit als andere, durch Bakterien oder Viren verursachte Erkrankungen. Loucq räumt ein, dass die Forscher noch nicht genau wissen, wie der Impfstoff funktioniert, aber sie vermuten, dass er die Produktion von Antikörpern gegen den Parasiten im Körper in den ersten Minuten nach der Injektion anregt, bevor die Parasiten die Leber befallen können.
Die Malaria Vaccine Initiative plant nun größere Testreihen für RTS,S mit dem Ziel, seinen Erfolg weiter unter Beweis stellen zu können, so Loucq. Geplant ist eine Versuchsreihe mit etwa 16.000 Kindern in sieben Ländern, die Ende 2008 beginnen soll, und Loucq hofft, dass durch die Ergebnisse bis 2013 eine Zulassung des Impfstoffs erfolgen kann.
Es ist derzeit schwer einzuschätzen, wie teuer der Impfstoff sein wird und wie viel der Kosten über Gesundheitsfonds finanziert werden sollte, sagt Loucq. "Im Moment sind Kostenanalysen schwierig", sagt er. "Aber ich denke nicht, dass der Preis eine Rolle spielen sollte - große Organisationen werden einspringen."

(1) Aponte, J. J. et al. Lancet doi:10.1016/S0140-6736(07)61542-6 (2007).

Dieser Artikel wurde erstmals am 17.10.2007 bei news@nature.com veröffentlicht. doi: 10.1038/news2007.174. Übersetzung: Sonja Hinte. © 2007, Macmillan Publishers Ltd

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