In Berlin geplant : Volksbegehren für freien Zugang zum Masterstudium

Berliner Studentinnen und Studenten bereiten ein Volksbegehren für den "Freien Zugang zum Masterstudium" vor.

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Der Mangel an Plätzen im Masterstudium schlägt weiter Wellen. Drei Berliner Studierendenvertreter bereiten ein Volksbegehren „Freier Zugang zum Masterstudium“ vor. Alexander Klute, Studentenvertreter an der HU, teilte mit, im Frühjahr werde mit der Sammlung von Stimmen begonnen. Das Berliner Hochschulgesetz soll dann so geändert werden, dass für alle Berliner Bachelorabsolventen im Anschluss auch ein Masterplatz bereitstehen muss.

Einen Rechtsanspruch auf einen Platz im Master fordern bundesweit die Jusos. Auch dürfe Bachelorabsolventen von Fachhochschulen (FHs) der Zugang zum Uni-Master nicht einfach verwehrt werden, erklärte Erkan Ertan vom Bundesvorstand der Juso-Hochschulgruppen. Hintergrund ist, dass FH-Bachelor-Absolventen oft den Eindruck haben, die Unis würden ihnen den Zugang zum Master generell verwehren. Andererseits treibt Studierende an Unis die Sorge um, FH-Bachelors könnten leichter zu besseren Noten kommen und ihnen so im Uni-Master die Plätze wegnehmen. Manche Unis formulieren ihre Zulassungsvoraussetzungen nun so, dass FH-Absolventen die Hürde kaum überspringen können.

Wie berichtet, gab es zum jetzt laufenden Wintersemester auf Masterplätze in bestimmten Fächern und Regionen erheblich mehr Bewerbungen als Plätze. In Berlin ist der Engpass besonders groß. So ist aus der FU zu hören, im BWL-Master Management und Marketing seien 700 Bewerbungen für 40 Plätze eingegangen. Von den 41 FU-Bewerbern seien nur 13 zum Zuge gekommen. Viele Wissenschaftler an der FU befürchten nun, sie könnten zunehmend unter Druck stehen, ihren eigenen Studierenden zunehmend freundliche Noten zu geben, um ihnen beim Übergang in den Master gegen die offenbar oft schmeichelhaft benotete auswärtige Konkurrenz einen guten Start zu ermöglichen. Die Folge wäre die Rückkehr zu flächendeckenden Traumnoten – für die inzwischen statusbewusste FU eine Horrorvision.

Könnte Berlin eine Zugangsquote für Berliner-Bachelorabsolventen schaffen? Verfassungsrechtlich sind solche fachfremden Kriterien nicht haltbar, heißt es aus der Hochschulrektorenkonferenz. Ein FU-Professor bringt darum ein „Absolventen-Ranking“ ins Gespräch, um den drohenden Notenverfall bundesweit zu stoppen. International sei es üblich, dass Absolventen auf ihrem Zeugnis bescheinigt bekommen, dass sie beispielsweise zu den besten 25 Prozent ihres Jahrgangs gehören oder unter 185 Absolventen auf Platz 22 stehen. So wäre der Effekt zu großzügiger Notenvergabe neutralisiert.

Die GEW empört sich besonders über mehrere Lehramtsstudierende, die nach ihrem Bachelor-Abschluss an der Humboldt-Universität in diesem Herbst nicht zum Master zugelassen wurden. „Man kann mit diesem Bachelor nichts anfangen“, sagt Hochschulreferent Matthias Jähne. Denn Lehrer an einer Schule kann man mit dem Bachelor nicht werden. Schränkt es also die in der Verfassung garantierte freie Berufswahl ein, wenn Lehrer-Bachelor keinen Platz im Master bekommen? Ulrich Battis, Professor für Staats- und Verwaltungsrecht an der HU, sagt, pauschal lasse sich das nicht sagen. Es komme im einzelnen auf die Gestaltung der Zulassungsverfahren an. Das kann heißen, dass zum Beispiel unzumutbar lange Wartezeiten auf einen Platz im Lehrermaster nicht erlaubt sind.

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