Initiative des VBKI : Berliner Kaufleute helfen den Unis

Sie haben die besten Kontakte in die Berliner Unternehmen und die Industrie und wollen, dass die Hochschulen der Stadt davon profitieren: Die im VBKI organisierten Kaufleute und Industriellen haben eine Initiative gestartet, die Berlin in weltweiten Unirankings ganz nach vorne bringen soll.

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Zwei Mitarbeiterinnen eines Pharmaunternehmens arbeiten im Labor.
Angeknüpft. Ein potenzieller Partner ist das Pharma-Unternehmen Sanofi.Foto: AFP

Unternehmen investieren nicht genug in die Forschung, gerade in Berlin. Zwar schrumpft die Industrie in der Hauptstadt nicht mehr, aber Großinvestitionen wie zuletzt in das Gemeinschaftslabor des Katalyse-Clusters der Technischen Universität und des Chemie-Konzerns BASF sind aus der Sicht der Berliner Kaufleute noch immer eine Seltenheit. Jetzt wollen sie den Universitäten der Stadt helfen, mehr Kontakte in die Unternehmen zu knüpfen, die zu dauerhaften Kooperationen und echten Investitionen führen. „Berlin Potsdam Labs 2030“ nennt der Verein der Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) sein ambitioniertes Programm. Denn es soll nicht nur um neue Formen der Kontaktanbahnung gehen.

Die Diagnose: Stark bei staatlichen Drittmitteln, schwach bei privaten

Binnen 15 Jahren solle „eine der führenden Wissenschaftsregionen der Welt“ entstehen, die sich „sowohl mit den etablierten Konkurrenten in Boston oder Oxbridge als auch mit den neu entstehenden Zentren in China messen“ kann, heißt es in einem Konzeptpapier. Das Potenzial dazu habe der VBKI in einer Vorstudie von 2012 identifiziert: Berlin und Potsdam verfügten mit einer hohen Dichte an Hochschulen und Forschungseinrichtungen und als beliebteste Region Deutschlands für Studierende und Gastwissenschaftler über „hervorragende Rahmenbedingungen“. Die aber würden „nur in einigen Bereichen in herausragende Leistungen umgesetzt“. So erfasse die Dynamik der Neugründung von Unternehmen bislang kaum „Bereiche mit starkem Technologie- oder Wissenschaftsbezug“. Bei der Mitteleinwerbung seien die Berliner Unis stark, wenn es um staatliche Förderer wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft gehe, aber nicht bei privatwirtschaftlichen Drittmitteln und in der Industrieforschung. In Teilen der Unis wird Auftragsforschung allerdings durchaus kritisch gesehen.

Partnersuche für Biocomputing und Geowissenschaften

Für den VBKI gibt es aber eine Reihe „förderungswürdiger Spitzenthemen“, die der Industrie für Investitionen vorschlagen werden sollen. Die Anbahnungsphase habe bereits begonnen, sagt Stefan Gerdsmeier, Vorstand der Berliner Volksbank und Leiter des VBKI-Ausschusses für Bildung und Wissenschaft. Beim Biocomputing etwa simulieren Mathematiker die Wirkung von Komponenten potenzieller neuer Medikamente, ein Verfahren, das die klinische Testphase erheblich verkürzen kann. Das VBKI-Team, dem auch der ehemalige Deutschland-Chef der Unternehmensberatung McKinsey, Jürgen Kluge, angehört, habe Kontakte zwischen dem Pharma-Unternehmen Sanofi und Wissenschaftlern am Konrad-Zuse-Institut vermittelt.

Andere Projekte betreffen die Finanzmathematik, deren Anwendungen für Versicherungen interessant sind, oder die Geowissenschaften, die Verfahren zur dreidimensionalen Kartierung des geologischen Untergrundes vermarkten könnten. In den Geisteswissenschaften werden die Berliner Sammlungen von Keilschriften mit dem Internetriesen Google in einem Digitalisierungsprojekt zusammengebracht. Der Begriff „Berlin Potsdam Labs“ sei dabei virtuell zu verstehen, heißt es. Der Laborgedanke zielt auf die neuen, gewinnbringenden Verbindungen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.

Senatorin soll Hochschulen für Kooperationen belohnen

„Für solche Kontakte sind an den Hochschulen einfach keine Strukturen vorhanden“, sagt Gerdsmeier. Mögliche Projekte mit der Industrie gingen so verloren – oder zumindest sehr langsam voran. Deshalb mache der VBKI jetzt sein Programm öffentlich, um Mitstreiter in der Wirtschaft und in der Politik zu mobilisieren. Präsidenten von Unis und Fachhochschulen säßen schon mit am Tisch.

Berlin Partner, die Technologie-Stiftung und den Unternehmerverband will der VBKI jetzt „zum Schulterschluss“ aufrufen. Vermitteln sollen dabei auch die Wissenschafts- und Wirtschaftsverwaltung. Besonders von Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) erhofft man sich Unterstützung. So könnte das Land die Unis etwa über die Hochschulverträge für die Vermarktung exzellenter Projekte belohnen. Der VBKI wünscht sich auch universitäre Beauftragte für Unternehmenskooperationen. Vorbildlich sei hier der Innovationsscout an der Charité.

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