INTELLIGENZ UND MUTTERMILCH : Aufgeweckter durch das Stillen?

Passgenaue Aufbaunahrung, verabreicht während inniger Mahlzeiten, die die Bindung zwischen Mutter und Kind festigen: Fürs Stillen gibt es viele Argumente. Eines, das in den letzten Jahren vorgebracht wurde, ist allerdings wohl nicht stichhaltig: dass Kinder an der Mutterbrust schlauer werden.

Dabei haben zunächst einige Studien Aufsehen erregt, die das nahelegen. So konnte der Sozialmediziner Richard Martin von der Uni Bristol anhand der Lebensgeschichte von Männern der Jahrgänge 1937 bis 1939 zeigen, dass die Gestillten unter ihnen später sozial mobiler waren und höhere Positionen errangen. Doch Untersuchungen, in denen Mutter-Kind-Paare streng wissenschaftlich nach dem Zufallsprinzip der Brust- oder der Fläschchen-Gruppe zugeteilt würden, fehlten.

2006 konnte der Statistiker Geoff Der von der Universität Glasgow anhand der Daten von 5000 Kindern und 3000 Müttern belegen: Gestillte Kinder haben nicht nur selbst im Schnitt einen etwas höheren Intelligenzquotienten als „Flaschenkinder“, auch ihre Mütter haben ihn. Der kleine IQ-Unterschied wird also wohl nicht mit der Muttermilch aufgesaugt, sondern über Gene und Erziehung weitergegeben. Dazu passt, dass sich zwischen Geschwistern keine Unterschiede fanden – auch wenn das eine Kind von der Mutter gestillt, das andere mit der Flasche ernährt worden war.

Auch Ergebnisse einer kürzlich im „European Journal of Public Health“ veröffentlichten Studie geben zu denken: Maria Iacovou von der Universität Essex wertete Daten von mehr als 10 000 Kindern aus, die Anfang der 90er Jahre geboren wurden. Sie stellte fest, dass diejenigen Kinder mehr Erfolg in der Schule hatten und als Achtjährige beim IQ-Test besser abschnitten, die als Babys nach Bedarf zu trinken bekamen – statt nach der Uhr. Egal, ob sie an der Brust oder an der Flasche saugen durften. aml

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