Internet : Google hat Grippe

Viele Menschen nutzen das Internet, um sich Hilfe bei ihren Grippesymptomen zu suchen. Google macht sich das jetzt zunutze und will das Internet zum Frühwarnsystem für Grippewellen machen.

Hartmut Wewetzer
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Signal. Eine Körpertemperatur von 39 Grad kann auf Grippe hindeuten. Foto: ddp

Kopf- und Gliederschmerzen, Frösteln, trockener Husten, starkes Krankheitsgefühl und Fieber von 39 bis 40 Grad sind Zeichen der Virusgrippe Influenza. Viele Menschen suchen Hilfe im Internet, wenn sie eine Grippe herannahen fühlen. Das macht sich nun Google zunutze. Die Internetsuchmaschine kann anhand der Begriffe, nach denen auf Google gesucht wird, Grippewellen viel rascher als Gesundheitsbehörden erkennen.

Das geht aus einer Studie hervor, die Google-Mitarbeiter Jeremy Ginsberg nun in der Online-Ausgabe des Fachblatts "Nature" veröffentlicht hat. Ginsberg und sein Team schauten zunächst nach 50 Millionen Suchbegriffen, nach denen die Google-Nutzer in den letzten fünf Jahren gefahndet hatten. Dann ermittelten sie, welche von diesen Suchanfragen zu Zeiten von Grippewellen besonders häufig waren. Das waren dann Ausdrücke wie "Influenzakomplikation", "Schnupfen/Grippemittel" oder "Allgemeine Influenzasymptome".

Natürlich hat nicht jeder, der das Wort "Grippe" in die Google-Suchmaschine eintippt, tatsächlich eine Influenza. Entscheidend ist die große Zahl der Anfragen, die "kollektive Intelligenz" des Internets. Als die Google-Ingenieure ihr Modell bei der Grippesaison 2007/2008 erstmals anwendeten, konnten sie in neun Überwachungsregionen den Trend der Influenza mit nur einem Tag Verspätung registrieren und präzise Schätzungen der Grippehäufigkeit angeben. Sie waren damit der US-Seuchenbehörde CDC um ein bis zwei Wochen voraus.

Der Dienst könnte eines Tages Leben retten

"Google Flu Trends" heißt das Frühwarnsystem, das zunächst nur die 50 Bundesstaaten der USA mit Informationen über Grippeanfragen aus dem Internet versorgt. Weitere Länder sollen aber hinzukommen. Der Dienst könnte eines Tages Leben retten, weil er sehr viel rascher als bisher Grippewellen erkennt kann und damit Vorbeugung und Behandlung verbessern kann.

Google versichert, dass alle für die "Flu Trends" verwandten Daten anonymisiert sind und einzelne Nutzer nicht identifiziert werden können.

Die Seuchenvorhersage aus dem Internet hat allerdings auch ihre Tücken. Ein falscher Alarm wie die Panik vor der Vogelgrippe oder der Rückruf eines Grippemittels können die Suchanfragen förmlich explodieren lassen, ohne dass tatsächlich die Grippe im Anmarsch ist. Auch Google ist eben nicht perfekt. Hartmut Wewetzer

Mehr im Internet unter:

www.google.org/flutrends/

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