Interview mit Futurium-Direktor Stefan Brandt : Nur Neugier bringt uns weiter

Das Gebäude ist fertig, jetzt gestalten Stefan Brandt und seine Kollegen das Innenleben des Futuriums. Wie sie das anpacken und wie die Zukunft im Futurium aussehen könnte.

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"Wir sind radikal offen", sagt Stefan Brandt im Hinblick auf die Zielgruppe des Futuriums.
"Wir sind radikal offen", sagt Stefan Brandt im Hinblick auf die Zielgruppe des Futuriums.Foto: Doris Spiekermann-Klaasl

Herr Brandt, wie stellen Sie sich eigentlich Ihre persönliche Zukunft vor?

Wenn Sie mich ganz persönlich fragen: Meine Familie ist ja erst seit wenigen Wochen aus Hamburg nach Berlin gezogen. Daher wollen wir erst einmal hier heimisch werden. Die Chancen dafür stehen bestens: Vor ein paar Tagen meinten meine Frau und meine beiden Kinder jedenfalls, wir wollen hier nie mehr weg!

Das hört bestimmt jeder Berliner mit Freude. Nun ist die Geschichte Berlins nicht erst in den Jahrzehnten seit dem Zweiten Weltkrieg besonders eng mit der Weltgeschichte verwoben. Da interessieren uns natürlich auch Ihre globalen Wünsche.

Wenn ich mir die aktuellen Nachrichten anschaue, würde ich mich sehr freuen, wenn wir auch in Zukunft in einer weitgehend friedlichen Welt leben können. Und ich würde mich freuen, wenn wir das, was wir in Europa erreicht haben, mehr schätzen und natürlich auch bewahren können. Gleichzeitig sollten wir uns auch fragen, ob unser Handeln wirklich nachhaltig für alle ist. Dabei denke ich nicht nur an zukünftige Generationen, sondern auch daran, dass vieles, was wir hier bei uns machen, auf Kosten von Menschen in anderen Regionen der Welt geschieht. Das betrifft zum Beispiel die Ausbeutung von Rohstoffen und die Umweltlasten. Es geht um den überbordenden Transport, der sachlich nicht mehr in jedem Fall zu begründen ist. Wollen wir uns unseren Wohlstand wirklich von anderen erarbeiten lassen, die sozial und politisch unter viel schlechteren Bedingungen leben? Über all das müsste diskutiert werden. Mehr noch: Es sollte sich im Handeln jedes Einzelnen niederschlagen.

Wie können Sie das erreichen?

Genau hier kommt das Futurium ins Spiel. Wir möchten die Besucher auf solche Zusammenhänge aufmerksam machen. Ein Besuch in diesem Haus soll durchaus Folgen haben. Ich bin überzeugt: Nur, wenn man ein Gefühl für die relevanten Fragen bekommt, entwickelt man die Bereitschaft, Zukunft aktiv zu gestalten.

Was ist eigentlich das Futurium?

Zunächst einmal sind wir ein Ort für alle, die Lust haben, die Zukunft zu gestalten. Dabei sind wir vieles gleichzeitig: Zukunftsbühne, Zukunftslabor, Zukunftsmuseum und Zukunftsforum. Etwas Ähnliches gibt es vielleicht auf der ganzen Welt nur einmal, nämlich hier in Berlin.

Könnten Sie diese vier Begriffe bitte ein wenig genauer erklären?

Zukunftsbühne heißt für mich, dass wir eine Brücke schlagen zwischen Wissenschaft, Technik und Künsten. Wir wollen zum Beispiel Dinge, die sich rational kaum oder gar nicht erschließen lassen, künstlerisch übersetzen. Konsequente Interdisziplinarität ist hier keine Floskel, sondern Programm. Wir sind Zukunftslabor, weil wir Menschen zum Mitmachen anregen und sie ermutigen wollen, sich mit Wissenschaft und Technik auseinanderzusetzen. So können unsere Besucher versuchen, einen Roboter selber zu bauen. Dabei verstehen sie dann, wie so etwas funktioniert. Oder sie erfahren, was es mit künstlicher Intelligenz auf sich hat. Im Zukunftsmuseum werden wir eine große Ausstellung haben, die sich kontinuierlich weiterentwickeln wird. Es werden immer wieder neue Ideen dazukommen, allein schon deshalb, weil wir auf rund 3000 Quadratmetern nicht alle Themen der Welt gleichzeitig abdecken können. Im Zukunftsforum werden wir viel Raum für Debatten haben. Diese vier Bereiche gehen ineinander über. Wir können zum Beispiel interessante Dinge aus der Ausstellung in das Zukunftsforum holen.

Wollen Sie auch zwischen den Natur- und den Geisteswissenschaften eine Brücke schlagen?

Auf jeden Fall. Das spiegelt sich ja schon in unserem Programmrat wider, der sich aus renommierten Geistes-, Natur- und Technikwissenschaftlern zusammensetzt. Unsere Gesellschafter stehen für den Brückenschlag zwischen Wissenschaft, Industrie und Politik. Bisher waren wir in Deutschland ja in der Spezialisierung sehr erfolgreich. Nur bin ich wie viele andere auch davon überzeugt, dass wir aus diesem Schubladendenken raus müssen. Diesen Wandel symbolisiert die Architektur des Futuriums, das wie ein Eisbrecher in einer recht einheitlichen Bebauung die Strukturen aufzubrechen scheint.

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