Interview : „Sehr gute Bedingungen für Forscher“

Peter Grünberg, Nobelpreis-Träger in spe, ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft. Deren Präsident Jürgen Mlynek sieht die Forschung in Deutschland auf einem guten Weg, jedoch könne man sich noch lange nicht mit den USA messen.

Mlynek
"Wir haben hervorragende Bedingungen für Spitzenforscher." Jürgen Mlynek, Präsident der Helmholtz-Gesellschaft, lobt den...Foto: Promo

Zunächst einmal: Glückwunsch – der Physik-Nobelpreis geht an einen Wissenschaftler der Helmholtz-Gemeinschaft, deren Präsident Sie sind.

Die Arbeiten Peter Grünbergs sind im Helmholtz-Zentrum Jülich gemacht worden. Ich glaube, wir haben in Deutschland hervorragende Arbeitsbedingungen für Spitzenforscher, besonders in den Forschungsinstituten außerhalb der Hochschulen. Bisher wurden meist Wissenschaftler der Max-Planck-Gesellschaft ausgezeichnet, jetzt ist auch die Helmholtz-Gemeinschaft einmal dran. Das freut uns sehr. Immerhin sind wir die Forschungsorganisation, die an der Lösung der großen Zukunftsprobleme arbeitet.

Es fällt auf, dass Nobelpreise in anderen Ländern meist an Forscher von Universitäten vergeben werden. In Deutschland ist das nur selten der Fall. Kann der Elite-Wettbewerb den deutschen Hochschulen da helfen?

Der Exzellenz-Wettbewerb ist ein Schritt in die richtige Richtung. Aber der finanzielle Effekt ist gar nicht so groß. Bei uns werden 10.000 Euro pro Studierendem ausgegeben, an den amerikanischen Nobelpreis-Schmieden wie Harvard oder Stanford sind es 100.000 Euro. Die Exzellenzinitiative bringt pro Student zehn Prozent mehr, also 11.000 Euro.

Sollten Forschungsinstitute und Universitäten nicht enger kooperieren?

Wir arbeiten bereits eng mit Hochschulen zusammen und bauen dies ständig aus. Im Rahmen der Exzellenz-Initiative hat das Forschungszentrum Jülich mit der RWTH Aachen unter dem Namen „Jara“ eine Forschungsallianz gegründet, auf den Gebieten Nanoelektronik – das ist das Forschungsfeld von Grünberg –, Simulationswissenschaft, Neuroforschung und Energie.

Sie haben auch in den USA geforscht. Was läuft dort besser?

Der Unterschied ist, dass Wissenschaftler in den USA früher eigenständig forschen. Bei uns ist oft noch die Habilitation Voraussetzung, um Professor zu werden. Wer sich habilitiert, ist meist schon 38 oder 39. Da ist die Juniorprofessur eine gute Alternative. Wir müssen den jungen Leuten schon mit 30 die Chance geben, selbstständig zu arbeiten und Professor zu werden.

Das Gespräch führte Hartmut Wewetzer.

Jürgen Mlynek (56) ist Physiker und Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, zu der auch das Forschungszentrum Jülich gehört.

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