Interview : „Studenten durch Gebühren nicht verlieren“

Hans Jürgen Prömel ist neuer Präsident der TU Darmstadt. Im Interview mit dem Tagesspiegel spricht er über seine Pläne.

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Hans Jürgen Prömel (53), Präsident der TU Darmstadt. -Foto: promo

Herr Prömel, die Technische Universität Darmstadt, zu deren Präsident Sie gerade gewählt worden sind, gehört zu den TUs in Deutschland, die auch starke Geistes- und Sozialwissenschaften haben. Wie wird deren Verhältnis zu den Natur- und Ingenieurwissenschaften künftig aussehen?

Eine Universität braucht ein Fächerspektrum jenseits der Ingenieur- und Naturwissenschaften. Ich werde den Anteil der Geisteswissenschaften daher nicht infrage stellen, zumal sich die Technikwissenschaften an ihnen reiben und beide sich wechselseitig befruchten. Natürlich müssen die Geistes- und Sozialwissenschaften so ausgerichtet sein, dass sie sich mit Ingenieuren und Naturwissenschaftlern unterhalten können.

Was bedeutet das?

Es muss bei Geisteswissenschaftlern die Offenheit vorhanden sein, sich mit den Problemen auseinanderzusetzen, die aus anderen Fächern herrühren. Ein Beispiel dafür ist das Thema Technikfolgen. Das heißt nicht, dass die Geistes- und Sozialwissenschaften vollkommen darauf ausgerichtet sein sollen. Die TU Darmstadt braucht eine starke Geisteswissenschaft, die ein gleichberechtigter Partner ist.

Die TU Darmstadt will zu den drei besten deutschen technischen Universitäten gehören. In der Exzellenzinitiative hat sie aber bisher schwach abgeschnitten, sie kann nicht mehr den Elitestatus gewinnen. Wie können Sie den Anspruch einlösen?

Die Ergebnisse, die bisher im Exzellenzwettbewerb erzielt worden sind, haben in der Tat zur Folge, dass der Anspruch zumindest in den nächsten fünf Jahren nicht eingelöst werden kann. Ich arbeite darauf hin, dass wir danach die Elite-Universitäten herausfordern können. Mir scheint etwa die Kooperation mit der außeruniversitären Forschung stark ausbaufähig. In Berlin sind wir da in den letzten Jahren erstaunlich weit gekommen, andere Universitäten sind noch nicht so weit.

Hessen hat Darmstadt eine weitgehende Autonomie gewährt. Die Universität kann Professoren selber berufen und über ihren Etat entscheiden. Gleichzeitig wurde als demokratisches Kontrollgremium eine Universitätsversammlung mit 61 Mitgliedern ins Leben gerufen. Soll das Modell beibehalten werden, wenn es 2009 ausläuft?

Autonomie ist wichtig, um eine Universität weiterzuentwickeln. Demokratische Strukturen stehen diesem Ziel nicht entgegen. Man muss die Universität mitnehmen, wenn man sie formen will. Es scheint mir daher zielführend zu sein, Gremien zu haben, in denen man diskutiert.

In Hessen führt die Landesregierung zum Wintersemester Studiengebühren ein. Anders als in Nordrhein-Westfalen dürfen die Hochschulen nicht selber über die Einführung entscheiden. Die Universammlung hat Gebühren gleichwohl abgelehnt. Wie gehen Sie damit um?

Da die Einführung der Studienbeiträge jenseits der Grenzen der Autonomie steht, ist die Ablehnung der Universammlung zwangsläufig symbolisch. Derzeit läuft eine Klage gegen die Gebühren vor dem hessischen Staatsgerichtshof. Wenn dieser Studienbeiträge für legitim hält, müssen sie in einem Paket eingeführt werden, das Unterstützungsfonds für bedürftige Studierende und großzügige Befreiungsrichtlinien beinhaltet. Wir dürfen gute Studenten durch Gebühren nicht verlieren.

Warum wollen Sie die Humboldt-Universität verlassen?

Ich bin jetzt im siebten Jahr Vizepräsident. Für mich hat sich völlig überraschend die Chance der Präsidentschaft der TU Darmstadt ergeben. Ich bin vor fünf Wochen vom Vorsitzenden des Hochschulrats angerufen worden, nach dem Ende der offiziellen Bewerbungsfrist. Ich habe mir das kurz überlegt. Das Zeitfenster ist günstig: An der HU sind alle Begutachtungen in der Exzellenz-Initiative gelaufen. Es ist ein natürlicher Karriereschritt, wenn ich im Wissenschaftsmanagement bleiben möchte.

Es heißt, sie seien auch irritiert gewesen, dass der Präsident, Christoph Markschies, in ihre Entscheidungsbereiche eingegriffen habe.

Es gibt neben dem Primärargument natürlich immer viele Sekundärargumente, die aber für meine Entscheidung nicht ausschlaggebend waren. Ich würde auch nicht von Irritationen sprechen.

Die Fragen stellte Tilmann Warnecke.

Hans Jürgen Prömel (53) ist neuer Präsident der TU Darmstadt. Er wird sein Amt voraussichtlich Anfang Oktober antreten. Bisher war er Vizepräsident der Humboldt-Universität zu Berlin.

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