Interview : „Wir werden Studienplätze abbauen müssen“

Der neue Präsident der Uni Potsdam, Oliver Günther, spricht über seine Pläne. Wegen Kürzungen könnte der Abbau von Studienplätzen drohen - aber Günther will die Uni trotzdem unter die stärksten in Deutschland führen.

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Oliver Günther übernimmt ab 1. Januar das Amt des Präsidenten der Uni Potsdam. Foto: promo
Oliver Günther übernimmt ab 1. Januar das Amt des Präsidenten der Uni Potsdam.Foto: promo

Herr Günther, als neuer Präsident der Uni Potsdam werden Sie als Erstes sparen müssen. 2012 kürzt das Land trotz Protesten 12 Millionen Euro bei der Wissenschaft. Welche Einschnitte kommen auf Ihre Uni zu?

Wir sind außerordentlich unzufrieden, die Kürzungen sind ein kontraproduktives Bauernopfer. Dadurch spart das Land gerade ein Promille an Ausgaben, die Wirkung auf die Hochschulen aber ist verheerend. In Brandenburg wurden in den vergangenen Jahren erheblich mehr Studierende zugelassen als Kapazitäten da sind. Die längst überfälligen Aufstockungen beim Lehrpersonal können wir nun nicht mehr umsetzen. Wird auch in den folgenden Jahren gekürzt, werden wir bis zu zehn Prozent der Studienplätze streichen müssen. Für ein demografieschwaches Land wie Brandenburg ein falsches Signal – wir müssten mehr begabte junge Leute ins Land holen, zumal das langfristig auch zu höheren Steuereinnahmen führt.

Die Wissenschaftsministerin erwägt Hochschulfusionen und den Abbau von Doppelangeboten, etwa bei Jura und BWL, die auch Potsdam anbietet.

Doppelangebote zu streichen spart nur Geld, wenn sie Studienplätze streichen. Gerade in Jura und BWL haben wir eine hohe Nachfrage von Studierenden, die Absolventen sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt. Warum sollte Brandenburg hier streichen? Die Uni Potsdam sollte ihr Fächerspektrum wenigstens erhalten, wenn nicht erweitern, um ihre langfristigen Entwicklungsperspektiven zu sichern.

Sie kommen von der Humboldt-Uni. Wo steht Ihre neue Uni im Vergleich zu Berlin?

Es gibt eine ganze Reihe von Fächern, in denen die Uni Potsdam international sehr sichtbar ist. Da müssen wir den wissenschaftlichen Vergleich nicht scheuen. In der Breite haben wir aber noch eine Strecke vor uns. In Potsdam haben wir ein Wahrnehmungsproblem. Viele in Deutschland wissen gar nicht, welche Exzellenz bei uns vorhanden ist. Da wollen wir noch mehr trommeln und unsere Stärken nach außen besser kommunizieren.

Sie wollen die Uni Potsdam langfristig unter die zehn bis zwölf stärksten deutschen Unis bringen. Wie wollen Sie das schaffen?

In einzelnen Bereichen gehören wir schon zu den Top Ten. Es in der Breite zu schaffen, ist vor dem Hintergrund des extrem angezogenen Wettbewerbs natürlich ein ambitiöses Ziel. Aber ich will in der Tat, dass wir im Konzert der forschungsstarken Unis dauerhaft mitspielen. Konstanz hat gezeigt, dass eine mittelgroße Uni zur Exzellenzuni aufsteigen kann. In zehn bis fünfzehn Jahren können wir Ähnliches erreichen, vorausgesetzt die Landesregierung unterstützt unsere Pläne. Unsere Forschungsstärken müssen wir weiter entwickeln, ein bis zwei weitere müssten hinzukommen.

Was haben Sie in der Lehre vor? Bisher gab es in der Professorenschaft Widerstände, die Bachelorstudiengänge zu überarbeiten.

Diese Widerstände sind Geschichte. Wir setzen hohe Qualitätsmaßstäbe in der Lehre. Das zeigt sich auch darin, dass wir uns in mehreren bundesweiten Wettbewerben für gute Lehre durchgesetzt haben. Auch die Lehrerausbildung wird weiterhin eine wichtige Rolle spielen.

Die finanzielle Lage könnte sich verschärfen, wenn die Bundesmittel aus dem Hochschulpakt beginnen auszulaufen. Wie sollte die Unifinanzierung langfristig aussehen?

Wie viele Kollegen hoffe ich, dass das Kooperationsverbot von Bund und Ländern im Grundgesetz fällt. Das Verbot schadet insbesondere forschungsstarken Hochschulen in finanzschwachen Bundesländern, und genau so eine ist die Uni Potsdam. Wenn das Kooperationsverbot fällt, wird sich eine Uni wie Potsdam verstärkt über Bundesmittel finanzieren können. Sollte das nicht passieren und die Kürzungen Bestand haben, werden wir Studienplätze abbauen müssen. Nur so können wir unseren eigenen Ansprüchen an die Studienqualität gerecht werden.

Oliver Günther (50) tritt am 1. Januar als Präsident der Universität Potsdam an. Er kommt von der Humboldt-Universität, wo er Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät ist. Die Fragen stellte Tilmann Warnecke.

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