Interview zu Pflegerobotern : „Der Mensch passt sich den Maschinen an“

Heiner Friesacher über Roboter in der Pflege.

Thomas Reintjes

Ist es eine gute Idee, Roboter in der Pflege einzusetzen?

Es kommt darauf an, wie man den Einsatz gestaltet. Die Technik ist nicht per se schlecht. Aber ich sehe eine der großen Gefahren darin, dass hier menschliche Zuwendung durch Technik ersetzt wird. Aber es gibt viele gute Unterstützungssysteme, die eine große Erleichterung sind.

Was unterscheidet die elektrische Hebevorrichtung vom Heberoboter?

Das ist ein qualitativer Sprung. Jedes selbstständig agierende System folgt einer eigenen Logik. Die Maschinenlogik ist nicht zwingend kompatibel mit der Logik, die menschliche Handlungen beinhalten. Und in der Regel ist es so, dass der Mensch sich den Maschinenrhythmen anpasst.

Trauen Sie der Forschung nicht zu, menschenfreundliche Technik zu entwickeln?

Natürlich gibt es auch Forschungsprojekte, wo pflegewissenschaftliche Expertise mit eingebunden wird. Das ist aber noch relativ selten. Meistens werden wir erst in Praxistests mit schon formvollendeten Produkten der Ingenieure konfrontiert. Ich muss meiner eigenen Berufsgruppe aber auch vorwerfen, dass sie es bisher versäumt hat, in den Technikdiskurs einzusteigen. Hier besteht, glaube ich, ein großer Vorbehalt, weil man Pflege auch selten mit technischen Innovationen assoziiert, sondern als rein helfende Tätigkeit ansieht.

Was muss die Pflegewissenschaft tun?

Bei manchen Systemen ist man sich noch nicht im Klaren darüber, wie sehr sie das pflegerische Handeln umgestalten werden, inwieweit sie auch Wahrnehmung und Entscheidungsprozesse verändern. Da gibt es Forschungsbedarf. Und in der Aus- und Weiterbildung sowie im Studium muss Technikkompetenz gelehrt werden.

Heiner Friesacher ist Pflegewissenschaftler und Autor. Er ist Lehrbeauftragter an verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen und arbeitet als Krankenpfleger.

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