• Iranische Geschlechterforscherin an der FU Berlin: „Mein Körper, ein weiblicher ...“

Iranische Geschlechterforscherin an der FU Berlin : „Mein Körper, ein weiblicher ...“

Die iranische Archäologin Papoli Yazdi tritt ihre Professur an der Freien Universität Berlin mit einer Performance an. Ihre Heimat musste sie verlassen, weil sie die "grüne Bewegung" unterstützt und feministische Positionen vertritt.

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Leila Papoli Yazdi steht lächelnd auf der Terrasse eines Hauses.
Forschen auf „Hauskonferenzen“. Nach ihrem Lehrverbot im Iran organisierte Leila Papoli Yazdi private Zusammenkünfte zum...Foto: Thilo Rückeis

Manchmal muss ein Erdbeben eine ganze Stadt begraben, bevor etwas ans Licht kommt, worüber im Leben keiner redet. In Bam, im Südosten Irans, grub Leila Papoli Yazdi 2003 die Tagebücher eines Intersexuellen aus, der sich später entschied, als Mann zu leben. Die Schwierigkeiten mit seiner Identität hatte er über Jahre notiert. Papoli Yazdi fand die Bücher und schrieb – gemeinsam mit einer Kollegin – einen Aufsatz: über Gender Studies bei Ausgrabungen.

Papoli Yazdi ist Archäologin. Stein für Stein, Erdschicht für Erdschicht arbeitet sie sich zu Fragen vor, die in ihrer Gesellschaft schwer zu stellen sind: Wie prägt die Politik die Vorstellung von den Geschlechtern?, lautet so eine Frage. In ihrer Heimat empfindet man ihre Stimme als zu politisch, 2011 erhielt sie dort Lehrverbot. In Berlin interessiert man sich dagegen für ihre Thesen: In diesem Wintersemester übernimmt Papoli Yazdi die internationale Professur für Geschlechterforschung an der Freien Universität.

"Wie in der deutschen Archäologie der 30er und 40er Jahre"

Seit zwei Jahren forscht Papoli Yazdi bereits am Institut für vorderasiatische Archäologie der FU – als Postdoc Fellow der „Alexander von Humboldt“-Stiftung. Ihre Mentorin Susan Pollock hatte sie eingeladen, nachdem die iranische Universität, an der Papoli Yazdi zuletzt arbeitete, sie aufforderte, ihre Assistenzprofessur niederzulegen. Konkrete Gründe nannte man keine. „Hauptsächlich lag es wohl daran, dass ich die ,Grüne Bewegung‘ unterstützt habe und mich weigerte, davon abzuweichen“, sagt sie. „Aber meine feministische Position war sicher mit ausschlaggebend.“ Frauen, die eine starke Meinung vertreten, gelten im Iran als Oppositionelle.

Papoli Yazdi ist nicht nur eine der wenigen iranischen Archäologinnen, sie arbeitet auch zu einem unpopulären Thema. Geschlechterfragen tauchen zwar seit den 1970er Jahren in der Archäologie auf, doch die iranische Forschung interessiert sich stärker für orientalische Mythologie und Nationalismus, sagt Papoli Yazdi, „ein bisschen wie in der deutschen Archäologie der dreißiger und vierziger Jahre“. Ihren Doktor hat sie zwar in prähistorischer Archäologie gemacht, doch sie konzentriert sich auf die jüngere Vergangenheit – wie bei der Untersuchung von Bazar- und Häuserruinen nach dem großen Erdbeben in Bam. „Der weibliche Körper als Objekt politischer Propaganda“ lautet der Titel ihrer neuesten Studie. Sie blickt darin auf die Zeit von der Antike bis heute und verwendet politische Theorien und Geschlechtertheorien. In dem Kurs, den sie als Gastprofessorin an der FU gibt, wird sie sich ebenfalls damit beschäftigen.

Die Versetzung an eine regionale Uni glich einer Verbannung

Ins Visier der Geheimdienste geriet sie nach der Präsidentschaftswahl im Jahr 2009, als sich hunderttausende Iraner der „Grünen Bewegung“ anschlossen und dem Gewinner Mahmud Ahmadinedschad Wahlbetrug vorwarfen. An den Universitäten wurden Regimekritiker teils gewaltsam unterdrückt. Professoren, die mit den „Grünen“ sympathisierten, mussten sich offiziell von ihrer Position distanzieren oder verloren ihre Stelle. Die führenden Oppositionellen, ebenfalls Professoren, wurden unter Hausarrest gestellt. Auch Papoli Yazdi, die damals noch an der Bu Ali Sina Universität arbeitete, einer großen Forschungsuniversität in Hamadan, wurde verhört. Im Gespräch war sie zurückhaltend. „Ich wollte einfach nur unabhängig forschen“, sagt sie. „Am liebsten hätte ich mich einer Ausgrabung gewidmet – ohne politisch zu werden.“

Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Archäologen Omran Garazhian, der ebenfalls die Opposition unterstützte, wurde sie im Frühjahr 2010 an die kleinere, regionale Neishabur Universität versetzt – was einer Verbannung in die Bedeutungslosigkeit gleichkam. Ob die Strafe auf sie oder auf ihren Mann zielte, vermag sie nicht zu sagen – das gilt auch für ihr erneutes Lehrverbot zwei Jahre später: „Es kann auch sein, dass sie Druck auf Omran ausüben wollten und mich dafür benutzt haben, weil ich jünger bin“, sagt Papoli Yazdi. Sie ist 36, ihr Mann 44. Er arbeitet weiterhin in Neishabur.

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