Islamophobie in Berlin : Fachhochschulen trennen sich von islamfeindlichem Dozenten

Ein Mathematiker verbreitete online islamfeindliche Inhalte und stellte Studenten diffamierende Textaufgaben. Jetzt haben ihm die HWR und zwei andere Hochschulen gekündigt.

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Gestörter Frieden. Berlins Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) hatte einen Dozenten in ihren Reihen, der gegen Muslime agitierte. Das Foto zeigt den Campus in Schöneberg.
Gestörter Frieden. Berlins Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) hatte einen Dozenten in ihren Reihen, der gegen Muslime...Foto: HWR Berlin

Die Berliner Fachhochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) hat sich am Dienstag von einem Lehrbeauftragten wegen dessen islamfeindlichen Äußerungen getrennt. In der Folge eines Berichts in der „Abendschau“ vom Mittwoch kündigte dem Diplom-Mathematiker Wolfgang Hebold auch die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW). Die private SRH hat ihn von seinen Lehraufträgen freigestellt und wartet seine Stellungnahme ab.
Dem Bericht des RBB zufolge hatte Hebold auf verschiedenen Webseiten, aber auch in seinem Lehrmaterial an der HWR, Muslime diffamiert. Studierende seiner Kurse kamen demnach kaum an Hebolds herabwürdigenden Äußerungen vorbei, weil sie Lernmaterial zu seinen Kursen von seiner Homepage herunterladen mussten.

Ein Student, der im vergangenen Semester in Hebolds Statistik-Kurs saß, sagte dem RBB, dass man Betrachtungen über einen statistischen Zusammenhang zwischen der Anzahl von Terroranschlägen und dem Anteil von Muslimen in der Bevölkerung habe anstellen sollen. Hebold hatte den RBB-Reportern dazu erklärt, man könne Statistik anhand harmloser Beispielen üben, aber eben auch an solchen, die „im Alltag relevanter“ seien.

"Ich bin anti-islamisch wie ich auch anti-kommunistisch bin"

Auf Anfrage des Tagesspiegels sagte Hebold am Donnerstag: „Ich habe das Gefühl, dass das, was ich sagen wollte, vom RBB bösartig verdreht wurde.“ Außerdem seien verschiedene Einträge, die ihm nun zur Last gelegt werden, gar nicht von ihm, selbst wenn jemand sie unter seinem Namen veröffentlicht habe. „Ich bin anti-islamisch wie ich auch anti-kommunistisch und anti-faschistisch bin. Der politische Islam ist ein Problem, aber ich bin nicht rassistisch“, sagt Hebold.

Neben seiner Homepage betätigte sich Hebold dem RBB zufolge auf seiner Seite „Die Verheerung Europas“ sowie auf dem islamophoben Blog „diskurskorrekt“. Verschiedene Blog-Einträge sind aber inzwischen gelöscht, auch seine Homepage hat Hebold in den vergangenen Tagen verändert. Martin Heger, Rechtswissenschaftler an der Humboldt-Universität, sagte dem RBB, manche von Hebolds Aussagen könnten strafrechtlich relevant sein. Auch in der Tagesspiegel-Community war er aktiv. (Lesen Sie mehr dazu hier.)

Asta: HWR griff erst durch, als es mediales Interesse gab

Linda Rodriguez, die Vorsitzende des Astas der HWR, hat den Eindruck, die Hochschule sei erst energisch gegen Hebold vorgegangen, als es ein mediales Interesse gab: „Seit der RBB hier war, ging alles sehr schnell“, sagte sie dem Tagesspiegel am Donnerstag. Bekannt geworden seien dem Asta die Äußerungen Hebolds vor etwa einen Monat durch den Hinweis eines Studenten. Noch am gleichen Tag habe der Asta die Sache an das zuständige Dekanat weitergeleitet. Dieses habe sich zwar sofort damit befasst. Doch im Anschluss habe man Hebold lediglich dazu aufgefordert, seine Unterrichtsmaterialien in Zukunft nicht mehr auf seiner privaten Seite, sondern auf der Lernplattform der HWR einzustellen. Einen Anlass für einen Rausschmiss habe man aber nicht gesehen.

HWR-Präsident Zaby distanziert sich "aufs Äußerste"

Die Studentin Rodriguez kritisiert auch, dass der Dekan Otto von Campenhausen der „Berliner Abendschau“ nicht zum Interview zur Verfügung stand und sich nur in einer schriftlichen Mitteilung äußerte. Campenhausen war für den Tagesspiegel nicht zu erreichen.

Andreas Zaby, der Präsident der HWR, sagte dem Tagesspiegel, der Asta kenne die Vorgänge offenbar nicht vollständig. Hebold sei vom Dekan aufgefordert worden, seine Lehrmaterialien auf die HWR-Seite zu stellen, das HWR-Logo von seiner privaten Homepage zu entfernen sowie drei seiner Übungsaufgaben wegen ihres „beleidigenden oder zumindest anstößigen Inhalts“ zu löschen. Allen drei Punkten sei Herbold auch sofort nachgekommen.

Die Hochschule habe auch „sehr genau“ untersucht, ob es sich um strafrechtlich relevante Äußerungen handle. Dies sei aber nicht der Fall gewesen, selbst wenn die weltoffene HWR sich von den Inhalten „aufs Äußerste distanziere“. Bis dahin sei über Hebold nichts Auffälliges bekannt geworden. In regelmäßigen Evaluationen hätte er von Studierenden durchaus viel Lob für seine Kurse bekommen.

Einträge unter Hebolds Namen eindeutig "menschenverachtend"

Erst am Montag seien der Hochschule Einträge unter Hebolds Namen auf anderen Webseiten bekannt geworden, die eindeutig „menschenverachtend“ gewesen seien. Diese Einträge seien durch Googeln von Hebolds Namen aber nicht sofort zu entdecken gewesen, sagt Zaby.

Unmittelbar nach Bekanntwerden dieser Äußerungen habe er Hebold zu einer Stellungnahme aufgefordert. Hebold sei zu dem verabredeten Termin am Dienstag aber nicht erschienen. Auf die Aufforderung Zabys, sich nun schriftlich zu erklären, weil die HWR sonst nicht in der Lage sei, den Lehrauftrag aufrecht zu verhalten, habe Hebold dann geantwortet: Er werde sich zu den Vorwürfen erst äußern, wenn sie substantiiert würden. Daraufhin habe Hebold seine Kündigung erhalten. Erst nachdem Hebold eine Gelegenheit zur Stellungnahme bekommen habe, hätte die Hochschulleitung der „Abendschau“ ein Interview geben können, sagt Zaby, die „Abendschau“ habe das Interview aber schon vorher führen wollen.

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