Italien : TU Mailand will nur auf Englisch lehren

Das Polytechnikum Mailand, eine der größten technischen Universitäten Italiens, lässt im weiterführenden Studium künftig ausschließlich auf Englisch unterrichten. Professoren wehren sich und sprechen von einer "Sprach-Diktatur“.

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Englisch für alle. Das bringt das bessere Jobchancen, sagt der Rektor in Mailand. Foto: Wikipedia
Englisch für alle. Das bringt das bessere Jobchancen, sagt der Rektor in Mailand.Foto: Wikipedia

Das Polytechnikum Mailand, eine der größten technischen Universitäten Italiens, lässt im weiterführenden Studium künftig ausschließlich auf Englisch unterrichten. Ab dem Jahr 2014 soll es keine italienischsprachigen Master- und PhD-Kurse mehr geben, kündigte laut „University World News“ jetzt die Unileitung an. Die Zahl der internationalen Studierenden solle so deutlich gesteigert werden. Professoren protestieren bereits gegen den Plan: Knapp 300 von ihnen haben eine Petition unterschrieben, die Verbannung des Italienischen zurückzunehmen. „Englisch wird den Studierenden in einer Art Sprach-Diktatur aufgezwungen“, wird ein Professor zitiert. Der Unileitung sei wohl auch nicht klar, dass das durchaus notwendige „Konferenz-Englisch“ kaum etwas mit dem sehr viel anspruchsvolleren „Unterrichts-Englisch“ zu tun habe.

Das Polytechnikum wäre die erste Universität Italiens, die im weiterführenden Studium vollständig auf das Italienische verzichtet. Universitätsrektor Giovanni Azzone wies die Vorwürfe bereits zurück. Er halte an dem Plan fest. Studierende würden doppelt profitieren: Weil sich ihre Jobchancen so verbesserten und sie sich zudem mit „unterschiedlichen Kulturen“ auseinandersetzen könnten, da immer mehr internationale Studierende nach Mailand gelockt würden. Dass die Umstellung für Dozenten einen „Extra-Aufwand“ bedeute, sei ihm klar.

Für neue Dozenten und Gastprofessoren will die Universität 3,2 Millionen Euro ausgeben. Derzeit sind am Polytechnikum insgesamt 37 000 Studierende eingeschrieben. Zehn Prozent davon kommen bisher aus dem Ausland, die meisten davon aus Brasilien, Russland, Indien, China und Vietnam.

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