Wissen : Jäger der Plagiatoren

Im Internet recherchieren, copy & paste – und die Seminararbeit ist fast fertig? Angesichts der vielen Softwarepakete zum Auffinden von Plagiaten, die auf dem Markt sind, werden die Freiräume für akademische Fälscher immer enger. Und die Software-Entwickler arbeiten ständig an neuen Systemen – auch in der Grundlagenforschung. Den ersten internationalen Wettbewerb zur Erkennung von Plagiaten in digitalen Dokumenten hat jetzt Cristian Grozea vom Berliner Fraunhofer Institut für Rechnerarchitektur und Softwaretechnik (First) gewonnen. Ausgeschrieben wurde der Wettbewerb von der Fakultät Medien der Uni Weimar und der Technischen Universität Valencia (Spanien).

Grozea setzte sich unter 21 Teams weltweit durch, die Konkurrenz kam unter anderem aus den USA und Israel. Die Teams sollten mit Hilfe von selbst geschriebenen Computerprogrammen künstliche Plagiate in gut 20 000 in Englisch verfassten Dokumenten finden.

Grozea entwickelte eine eigene Software, als er 2004 rund 400 Projekte von 60 Studierenden korrigieren und bewerten musste. Er vermutete einzelne Abschreiber und wollte ihnen auf die Spur kommen. Beim Programmieren habe er „kernbasierte“ Methoden benutzt, erklärt das Fraunhofer-Institut First: Ein „Kern“ sei ein Maß, mit dessen Hilfe man die Ähnlichkeit zweier digitaler Dokumente anhand eines numerischen Werts bestimmen kann. Seine seit 2004 weiterentwickelte Software fand 66 Prozent aller versteckten Plagiate, 74 Prozent der angezeigten Textstellen waren tatsächlich gefälscht. Diese Quote deckt sich mit Werten der Berliner Plagiatsforscherin Debora Weber-Wulff (Hochschule für Technik und Wirtschaft), die die Qualität von Softwareprodukten zur Plagiatssuche kontinuierlich prüft und zuletzt 2008 eine Studie veröffentlichte. -ry

Mehr im Internet unter:

www.webis.de/pan-09/competition.php; http://plagiat.htw-berlin.de/software

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