Jahrestagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft : Wie werden wir unsichtbar?

5000 Physiker diskutieren über neue Materialien. Es geht von der Nanophysik, die sich dem Bereich von Millionstelmillimetern widmet, bis zur Rüstungskontrolle und Raketenabwehr, die den Weltraum als Bühne hat.

Paul Janositz

Quantencomputer, die unvorstellbar schnell und viel rechnen können, oder hauchdünne Grafitschichten, die Strom extrem schnell leiten. Diese Beispiele für aktuelle Brennpunkte physikalischer Forschung nannte Rolf Haug, Experimentalphysiker an der Universität Hannover, am gestrigen Montag in Berlin. Anlass war die Eröffnung der Jahrestagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) an der Technischen Universität.

„Es ist mit mehr als 5000 Teilnehmern die größte europäische und die weltweit zweitgrößte physikalische Fachtagung“, sagte DPG-Präsident Eberhard Umbach. In mehr als 4600 Vorträgen wird bis zum kommenden Freitag das ganze Spektrum aktueller Themen behandelt. Es geht von der Nanophysik, die sich dem Bereich von Millionstelmillimetern widmet, bis zur Rüstungskontrolle und Raketenabwehr, die den Weltraum als Bühne hat.

Mit Materialforschung und Mikroelektronik werden sehr anwendungsnahe Themen aufgegriffen. Wann dagegen der Quantencomputer einsetzbar sein wird, darüber kann heute nur spekuliert werden. „Vielleicht in 20, 30 Jahren“, sagt Umbach, Leiter des Forschungszentrums Karlsruhe. Auch bei Metamaterialien dürfte noch einige Zeit vergehen, bis damit vielleicht unsichtbar machende Tarnkappen hergestellt werden können. Über solche künstlichen Strukturen, die die Gesetze der Optik auf den Kopf zu stellen scheinen, informiert John Pendry, theoretischer Physiker vom Imperial College London. Näher am Puls der Zeit sind Themen wie Klimaschutz oder erneuerbare Energien. Wie sehr sich die Physik geöffnet hat und Kooperationen mit Soziologie und Ökonomie pflegt, zeigen die Analysen von Börsencrash, Wählerverhalten, Fußballhysterie

„Solche Massenphänomene können wir mit statistischen Methoden aus der Vielteilchenphysik erklären“, sagte Tagungsleiter Eckehard Schöll von der TU Berlin. Dass das nicht nur Sandkastenspielchen sind, beweist die starke Nachfrage theoretischer Physiker durch die Industrie. „Unsere Absolventen werden von Finanzinstituten mit Handkuss genommen“, erklärt Stefan Bornholdt von der Uni Bremen. Auch mit der Biologie findet die Physik immer mehr Schnittmengen. So fragt sich der Biophysiker Christoph Schmidt, wie Muskelproteine funktionieren, die unsere Gliedmaßen bewegen. Und der Neurophysiker James Hudspeth von der New Yorker Rockefeller-Universität erzählt Neuigkeiten über die Haarzellen, die uns so gut hören lassen. Paul Janositz

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