Jahrhundertereignis Venus-Transit : Schönheitsfleck auf der Sonne

Seltenes Spektakel am Himmel: In der Nacht zu Mittwoch schiebt sich die Venus zwischen Sonne und Erde. Das nächste Mal lässt sich dieses Ereignis erst wieder im Dezember 2117 beobachten.

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David und Goliath. Beim Venustransit, hier eine Aufnahme vom 8. Juni 2004, bekommt man eine Ahnung davon, wie riesig unser Mutterstern (Durchmesser 1,4 Millionen Kilometer) im Vergleich zu dem Planeten (Durchmesser 12 100 Kilometer) ist.
David und Goliath. Beim Venustransit, hier eine Aufnahme vom 8. Juni 2004, bekommt man eine Ahnung davon, wie riesig unser...Foto: dapd

Wer den Venustransit im Juni 2004 verpasst hat, bekommt nun eine letzte Chance, das planetare Schauspiel zu bewundern. In der Nacht zu Mittwoch wird kurz nach Mitternacht (MESZ) unser Nachbarplanet zwischen Erde und Sonne treten und als kleiner schwarzer Fleck über die Sonnenscheibe wandern. Das Ereignis mag weniger spektakulär aussehen als eine Sonnenfinsternis, bedeckt die Venus doch nur einen Bruchteil der Sonne. Dafür ist es selten. Weil die Umlaufbahnen von Venus und Erde um 3,4 Grad gegeneinander gekippt sind, kommt ein Venustransit nur vier Mal in einem Zyklus von 243 Jahren vor. Das nächste Mal steht er erst wieder im Dezember 2117 an.

Beobachter dürfen sich in einer großen wissenschaftlichen Tradition wähnen. Bereits Anfang des 17. Jahrhunderts hatte Johannes Kepler mit den nach ihm benannten Gesetzen die Planetenbahnen beschrieben und maßstabsgerecht die räumlichen Verhältnisse des Sonnensystems geklärt. Nur eine Größe blieb im Dunkeln: der Maßstab selbst, nämlich die astronomische Einheit, welche für den mittleren Abstand der Erde von der Sonne steht. Aber wie sollte ein Erdenbürger diesen Abstand messen?

Den entscheidenden Einfall hatte 1716 der britische Astronom Edmond Halley. Er schlug vor, dass sich die Astronomen kommender Generationen über den Planeten verteilen, um die Venustransits 1761 und 1769 von ihren Positionen aus zu dokumentieren und ihre Daten zusammenzuführen. Durch trigonometrische Berechnungen, basierend auf der unterschiedlichen Dauer des Durchgangs, ließe sich dann die astronomische Einheit bestimmen. Der Grund: Vom indonesischen Jakarta aus betrachtet würde die Venus einige Minuten länger brauchen, um an der Sonne vorbeizuziehen als vom sibirischen Tobolsk aus. Der Blickwinkel auf Venus und Sonne ist jeweils ein anderer. Allerdings konnte der Venustransit von 1761 in Gänze nur von Nordskandinavien, Russland und den damaligen Kolonien in Ostasien aus beobachtet werden.

Vor allem dem Werben des französischen Astronomen Joseph-Nicolas Delisle bei den Akademien der Wissenschaften ist es zu danken, dass fast 250 Wissenschaftler bereitstanden. Die Akademien wiederum bewegten die Könige ihrer Länder dazu, die nötigen Mittel für die Expeditionen zur Verfügung zu stellen, schließlich dürfe ihr Land doch nicht zurückstehen! Sie holten die Ostindienkompanien hinzu und nutzten deren Schiffe und Infrastruktur. Während die Staaten noch bis 1763 den Siebenjährigen Krieg ausfochten, kooperierten die Astronomen über die Grenzen hinweg und scheuten keine beschwerliche Reise, um das erste internationale Forschungsgroßprojekt anzugehen.

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