#jetztschreibenwir : Wie ich mir einen Platz an der Kunst-Uni erkämpfte

Innerhalb weniger Monate ist es dem jungen Ägypter Kiro Mousa gelungen, einen Studienplatz an der Berliner Universität der Künste zu bekommen - mit Hartnäckigkeit und Kreativität.

Kiro Mousa
Fassade eines Universitätsgebäudes mit roten Fahnen und Aufschrift Universität der Künste.
Willkommenes Talent. Die "Poker Faces" der Professoren bei der Aufnahmeprüfung an der UdK konnte Kiro Mousa nicht entschlüsseln....Foto: IMAGO

Man muss wissen, dass sich an der Universität der Künste (UdK) in Berlin für meinen Studiengang Visuelle Kommunikation jährlich zirka 700 Leute bewerben. Die Konkurrenz war also von Anfang an groß, und das sah ich zuerst als großes Problem. Mit der Zeit hat sich meine Einstellung dazu aber sehr verändert. Was für mich am Anfang sehr schwierig war, war am Ende die größte Chance. Wenn man will, kann man alles. Das ist mein Lieblingssprichwort. So denke ich auch!

Ich habe mir lange überlegt, wie eine Kunsthochschule ihre StudentInnen auswählt, was ein Grund sein könnte, mich aufzunehmen. Dann habe ich mir gedacht, dass die Uni Studierende haben will, die einzigartig sind, die etwas Besonderes haben. Die UdK wird sich bestimmt mehr für jemanden interessieren, der zwei Jahre nach dem Abitur gereist ist und in verschiedenen Ländern gelebt hat, als für jemanden, der gerade sein Abitur gemacht hat.

Super! Ich habe in Ägypten viel erlebt, was nicht viele erlebt haben. Ich war politisch aktiv, und ich weiß, dass ich durch soziale Medien viel bewegen kann. Außerdem bin ich Geflüchteter, und auch deshalb kann ich Erfahrungen teilen, die viele nicht gemacht haben.

Teure Mappen-Kurse? Ich mache ein Probesemester in Weißensee

Dann stellte ich mir die Frage, wie ich die Mappe für die Bewerbung machen kann. Im Internet gibt es viele Kurse, die lehren, wie die perfekte Mappe gelingt. Doch die Kurse waren zu teuer für mich. Ich fand aber eine Anzeige von der Kunsthochschule Weißensee. Sie boten ein Probesemester für Geflüchtete an. Ich habe mich sofort beworben, im April bekam ich die Zulassung. Mein Ziel war, so viele Kontakte wie möglich zu knüpfen und so viele Mappen wie möglich von anderen Studentinnen anzuschauen, damit ich eine Idee bekomme, was die Uni sehen will. Meine Frage an die Studierenden war immer: Was denkst du, wieso die Uni dich aufgenommen hat?

Die neue Sachbearbeiterin genehmigt den Deutsch-Kurs

Schon im April habe ich begonnen, an meiner Mappe zu arbeiten. Aber mir fehlte auch noch das C1-Niveau in Deutsch, das ich brauche, um an der Uni alles zu verstehen. Ich habe mit meiner Sachbearbeiterin im Job Center darüber gesprochen. Sie meinte, ich soll jobben, um mir den Kurs selber zu finanzieren, ansonsten kann sie nichts für mich machen. So eine furchtbare Person habe ich selten getroffen! Zum Glück bekam ich eine neue Sachbearbeiterin. Sie hat sofort eine Schule angerufen und einen Termin für mich gemacht.

Gute Mappe? Jetzt lag es nur noch an mir!

Jetzt lag es nur noch an mir. Wenn ich eine gute Mappe machte, bekam ich einen Studienplatz, wenn nicht, dann nicht. Ich habe lange nach originellen Themen gesucht, die zu mir passen und durch die ich meine Erfahrungen einbringen kann. Am 26. Mai habe ich die Mappe abgegeben. Eine halbe Stunde vor Abgabeschluss.

Drei Wochen später habe ich eine Einladung für die Aufnahmeprüfung bekommen. Ich habe mich sehr gut vorbereitet. Ich habe mir die ganze Zeit vorgestellt, wie ich in dem Vorstellungsgespräch sitze und was die Leute mich wohl fragen könnten. Das hat mich einerseits verrückt gemacht, andererseits hat es mich auch bestärkt, dass ich mich für den richtigen Studiengang entschieden habe.

Am 7. Juli habe ich meine Aufnahmeprüfung gemacht. Die lief nicht gut, aber auch nicht schlecht. Die Prüfung war nicht schwierig. Das Vorstellungsgespräch war ganz neutral. In der Kommission setzten alle ein Poker Face auf. Ich hatte keine Ahnung, ob sie mich gut oder schlecht fanden.

Mit "aufgetankter Energie" ins erste Berliner Semester

Wieder drei Wochen später waren die Rundgangtage bei der UdK. Dahin bin ich gegangen. Plötzlich sah ich eine Professorin, die mich einmal beraten hatte. Ich grüßte sie, und sie fragte mich, ob ich die Entscheidung von der UdK bekommen habe oder nicht. Ich sagte, dass ich noch nichts bekommen habe. Dann sagte sie mir, dass ich aufgenommen bin. Das war ein sehr schöner Moment für mich.

Ich habe jetzt noch viel zu tun, bis ich das Studium beginne. Vor allem muss ich mich mit der Finanzierung des Studiums auseinandersetzen. Mitte Oktober fängt eine neue Phase in meinem Leben an. Ich bin sehr gespannt, und meine Energie ist schon sehr gut aufgetankt.

Der Autor ist Student an der UdK und kommt aus Ägypten. Dieser Text ist Teil unserer Sonderausgabe #jetztschreibenwir mit Berichten und Geschichten von geflüchteten Journalisten, die am Sonnabend, den 15. Oktober erschien ist. Der Autor hat den Text selbst auf Deutsch verfasst.

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