Jubiläum : Netzwerker in Medizin und Politik

Zum 65. Geburtstag des Charité-Chefs Karl Max Einhäupl.

von
Karl Max Einhäupl  
Karl Max Einhäupl  Thilo Rückeis

Karl Max Einhäupls Kästchen sind legendär. Immer, wenn in Sitzungen und Diskussionen ein wichtiges Thema oder Problem auftaucht, wird das auf dem Notizblock des Charité-Chefs mit dem Kugelschreiber eingekästelt. Fast genauso sagenhaft ist Einhäupls Einladung zum „Kaffeetrinken“, gern ins Café Einstein. Da geht es dann weniger um Kaffeehauskultur als ums Netzwerken.

Im persönlichen Gespräch spinne Einhäupl seine Fäden, sagte Ulrich Frei, Ärztlicher Direktor der Uniklinik Charité, bei einem Symposium zum 65. Geburtstag Einhäupls, das am Freitagnachmittag stattfand. Es war eine beschwingte, kurzweilige und herzliche Veranstaltung, zu der sich Kollegen, Freunde und Politiker im Audimax auf dem Campus Virchow der Charité eingefunden hatten.

Einhäupl ist Neurologe. Ihn verbindet mit Netzwerken mehr als nur eine metaphorische Nähe. Nervenzellen, Neuronen, verknüpfen sich zu Netzen. Als junger Arzt an der Münchner Uniklinik wurde Einhäupl zum Vorreiter der „translationalen“ Medizin, die das Übertragen von wissenschaftlichen Erkenntnissen in den Alltag der Medizin zum Ziel hat, wie der Neurologe Daniel Hanley von der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore, Weggefährte aus Münchner Tagen, berichtete. Netzwerke auch hier.

Man habe „die Besten der Republik“ ins wiedervereinigte Berlin holen wollen, erinnerte sich Detlev Ganten von der Charité-Stiftung an die Aufbaujahre. Und Einhäupl, den „wollte man unbedingt haben“. 1992 wurde er als einer der Ersten neu berufen. Der Schlaganfall-Experte baute die Neurologie zu einem bedeutenden wissenschaftlich-medizinischen Zentrum aus und übernahm zunehmend wissenschaftspolitische Ämter. So prägte er als Vorsitzender von 2001 bis 2006 die Arbeit des Wissenschaftsrats. 2009 wurde er Vorstandsvorsitzender der Charité. Unerwähnt blieb beim Symposium, dass auch der Arzt Einhäupl einen hervorragenden Ruf hat.

Die letzten Jahre waren für Einhäupl und „seine“ Charité turbulent, die nächsten werden es wohl nicht minder. Immerhin war mit Finanzsenator Ulrich Nußbaum sogar sein größter Kontrahent erschienen, um zu gratulieren. Vielleicht muss Einhäupl ja bald ein Problemkästchen weniger zeichnen.

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