Jubiläum : Wissenschaftliche Atomkraftgegner

30 Jahre Okö-Institut - heute macht es auch Fußballfeste umweltfreundlich.

Dagmar Dehmer
Atomkraftgegner
Nein haben wir gesagt. AKW-Gegner verhinderten das Werk in Wyhl; das Öko-Institut wurde in der Protestzeit gegründet.Foto: dpa

Als das Öko-Institut vor 30 Jahren in Freiburg anfing, Umweltforschung zu betreiben, war es Teil der Bewegung. Hätte sich der damalige baden-württembergische Ministerpräsident Hans Filbinger (CDU) nicht in den Kopf gesetzt, nahe Freiburg, in Wyhl am Kaiserstuhl, ein Atomkraftwerk bauen zu wollen, wäre es vielleicht nie zur Gründung des Instituts gekommen. Die Wissenschaftler fingen mit kritischen Fragen zur Atomenergie an. Die stellt das Öko-Institut bis heute.

Die Experten, die im Darmstädter Büro arbeiten, gelten heute als Kapazitäten auf dem Gebiet der Reaktorsicherheit. Lothar Hahn wechselte 2001 vom Öko-Institut an die Spitze der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS). Michael Sailer leitete acht Jahre lang die Reaktorsicherheits-Kommission (RSK), der er bis heute angehört. Und nach der Atomkatastrophe in Tschernobyl 1986 wuchs das Öko-Institut schnell zur einzigen seriösen unabhängigen Informationsquelle heran – und auch die Zahl der Mitarbeiter stieg.

Doch ausgerechnet bei der kritischen Atomenergieforschung sei es nahezu unmöglich, die Arbeit zu internationalisieren, sagt der stellvertretende Geschäftsführer Christian Hochfeld. Außerhalb Deutschlands gelingt es dem Öko-Institut kaum, Aufträge zu bekommen. Kaum ein Staat habe Interesse an einer kritischen Bestandsaufnahme. Auf anderen Gebieten, vor allem beim Klimaschutz und der Energiepolitik, ist das Öko-Institut mit seinen 100 Mitarbeitern längst ein internationaler Akteur.

Wie sehr sich die Rolle der Forscher verändert hat, beschreibt Hochfeld am Beispiel des Ausbaus des Frankfurter Flughafens. Zu Zeiten der Institutsgründung wären die Freiburger vermutlich auf der Seite der Ausbaugegner gewesen. Tatsächlich übernahmen sie die Rolle eines Mediators, der sich bemühte, die entgegengesetzten Interessen auszugleichen. Oder das „Green Goal“, die Zusammenarbeit mit dem Fußballverband Fifa zur Weltmeisterschaft in Deutschland: Das Institut sorgte dafür, dass das Fußballfest einigermaßen umweltfreundlich und sogar „klimaneutral“ verlief. Für die Anreise der Gäste wurden Ausgleichszahlungen getätigt, um den Klimaschaden auszugleichen. „Inzwischen erreichen eben auch Veranstaltungen Größenordnungen, die umweltrelevant werden“, sagt Geschäftsführer Rainer Griesshammer. Zu Beginn der Arbeit ging es fast ausschließlich um Schäden, die die Industrie angerichtet hat.

Aber nicht nur das Institut hat sich verändert – auch die Forschungslandschaft. Als das Öko-Institut und ein Jahr später das Ifeu-Institut in Heidelberg sowie das Katalyse-Institut in Köln gegründet wurden, gab es noch kaum universitäre Umweltforschung. In den späten 80er und den 90er Jahren wurden dann viele neue Umweltforschungsinstitute an den Unis gegründet, an die inzwischen etwa die Hälfte der öffentlichen Mittel fließen. Dagmar Dehmer

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