JUBILÄUM IN DAHLEM : KritischeWürdigung

Das Institut für physikalische Chemie und Elektrochemie war das erste Institut, das die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft 1911 in Berlin-Dahlem gründete. 1948 trat die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) das Erbe der Wissenschaftsorganisation an, 1952 wurde das Institut nach seinem ersten Direktor Fritz Haber benannt. Der Nobelpreisträger von 1920 ist eine kontroverse Figur. Im ersten Weltkrieg trieb er die Erfindung des Giftgases voran. Deshalb fordert eine Wissenschaftler-Initiative die Umbenennung des Instituts. Bei einem Festakt zum Jubiläum erklärte MPG-Präsident Peter Gruss jetzt, es gebe „keine Rechtfertigung, wissenschaftliche Arbeit in den Dienst des Tötens zu stellen“. Doch die Namensgebung sei eine „Wiedergutmachung nach der Vertreibung jüdischer Wissenschaftler 1933“ gewesen. „Heute verstehen wir sie als kritische Würdigung eines extremen Lebenslaufs in seiner Zeit.“ Neben Haber sind sechs weitere Nobelpreisträger mit dem Institut verbunden, bis hin zu Gerhard Ertl, der 2007 ausgezeichnet wurde. Beim Festakt erzählte Ertl die hundertjährige Forschungsgeschichte anhand der Dynamik von Molekülen auf Oberflächen. -ry

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