KASTANIENMINIERMOTTE : Wie ein neuer Einwanderer einem alten Einwanderer zusetzt

Die berühmte deutsche „Biergartenkultur“ ist gefährdet, weil die Larven der in den 1990er Jahren nach Bayern eingeschleppten Kastanienminiermotten sich durch die Blätter der Bäume fressen. Inzwischen sind deutschlandweit die Schäden an den Blättern oftmals so groß, dass viele Bäume ihr Laub bereits Ende Juli oder im August abwerfen. Auf Dauer könnte das die Kastanien deutlich schwächen und die einst schattigen Biergärten lägen in der prallen Sonne. Bisher haben fast alle betroffenen Bäume der Plage zumindest so weit getrotzt, dass sie im Frühjahr wieder ausgeschlagen haben. Vermutlich kommt der Schädling aus Asien, in Europa wurde er zum ersten Mal am Ohrid-See zwischen Albanien und Mazedonien beobachtet. Genau aus dieser Region stammt auch die Rosskastanie, natürliche Kastanienwälder gibt es heute noch in Albanien und Bulgarien. Im 16. Jahrhundert holten Brauereibesitzer die Bäume nach Deutschland, um sie über die kühlen Felsenkeller zu pflanzen, in denen das Bier für die warme Jahreszeit gelagert wurde. Die flachen Wurzeln der Kastanie gefährden die Kellerdecke nicht, das dichte Laub schirmt die pralle Sonne ab – und in diesem Schatten lässt sich Bier besonders gut genießen.

Der Eindringling Kastanienminiermotte schadet also nicht einer ursprünglichen Pflanze, sondern ebenfalls einem Einwanderer, der nur ein bisschen länger hier ist. RHK

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