Wissen : Kehrtwende in Diskussion zu Grippeviren

Nach einer hitzigen Debatte, die Grippeforscher in aller Welt in zwei Lager spaltete, vollführte das Gremium der US-Regierung für Biosicherheit (NSABB) Ende letzter Woche eine 180-Grad-Wende: Nach zweitägigen Beratungen sprach es sich dafür aus, dass zwei umstrittene Studien zu mutierten Vogelgrippeviren doch vollständig veröffentlicht werden sollen.

Um zu verstehen, wie es in der Natur zu gefährlichen Grippestämmen kommt, haben zwei Forschergruppen in den Niederlanden und den USA unabhängig voneinander das Vogelgrippevirus H5N1 im Labor so verändert, dass es wie die saisonale Grippe über die Luft von Frettchen zu Frettchen übertragen werden kann. Frettchen sind das beste verfügbare Tiermodell für Grippeinfektionen von Säugetieren – einschließlich Menschen. Die Forscher widerlegten damit die These, dass sich das Vogelgrippevirus nicht gut an den Menschen anpassen kann.

Im Dezember hatte der NSABB einstimmig gegen die vollständige Veröffentlichung der beiden Studien in den Fachjournalen „Science“ und „Nature“ votiert. Das Gremium löste damit eine Kontroverse um ein im Labor geschaffenes „Supervirus“ aus, das versehentlich entweichen oder von Terroristen als Biowaffe eingesetzt werden könnte. Ende Januar hatten sich die Grippeforscher für ein freiwilliges Moratorium entschieden.

Das NSABB begutachtete nun die beiden überarbeiteten Manuskripte erneut. Das Gremium kam zu dem Schluss, dass die Daten doch nicht unmittelbar missbraucht werden können und nicht die nationale Sicherheit gefährden. Das Wissen um die spezifischen Mutationen könne aber die Vorhersagen verbessern, welche Vogelgrippevirenstämme in der Natur potenzielle Pandemie-Auslöser sind. jas

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