Keine Vizepräsidentin für die HU Berlin : Wahl an der Humboldt-Uni floppt

Das Konzil lässt die Kandidatin für Vizepräsidentschaft Haushalt durchfallen. Die andere war kurz vorher abgesprungen. Humboldtianer fürchten Imageschaden

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Humboldt-Uni Portal Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Humboldt quält sich. Neue Bewerbungen erwünscht.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Die Wahl einer Vizepräsidentin für Haushalt an der Humboldt-Universität ist am Dienstag gescheitert. Bereits am Sonntag hatte sich überraschend eine der beiden Kandidatinnen, Swantje Heischkel, Kanzlerin an der Fachhochschule in Leipzig, aus dem Rennen zurückgezogen. Dienstagfrüh ließ das Konzil, das Wahlgremium der HU, dann die verbliebene Bewerberin durchfallen. Angela Walter, Referatsleiterin für Hochschulentwicklung und Controlling in der Berliner Wissenschaftsverwaltung, bekam nur 21 Stimmen. Aber 31 wären mindestens nötig gewesen, denn das Konzil hat 61 Mitglieder. Von diesen waren am Dienstag 56 anwesend. 34 stimmten mit „nein“.

Ein Studentenvertreter: "Angela Walter war definitiv geeignet"

Das gesamte Wahlverfahren muss nun von Neuem begonnen werden. Die Position Haushalt im Präsidium ist seit einem Jahr interimsweise besetzt: „Angela Walter war definitiv geeignet“, sagte der Studierendenvertreter Matthias Geisler dem Tagesspiegel. „Die gescheiterte Wahl schadet dem Ansehen der HU.“ Auch andere an der HU befürchten das. Es könne schwerer werden, gute Bewerberinnen und Bewerber für die Nachfolge von HU-Präsident Jan-Hendrik Olbertz zu finden, jedenfalls solche von außen. Am 30. Juni sollen die Kandidaten angehört werden, am 7. Juli soll der neue Präsident oder die neue Präsidentin gewählt werden.

Besonders unter den Professoren gab es offenbar Zweifel, ob Angela Walters Berufserfahrung für die Leitung einer großen Universität ausreicht. Zu hören ist aus der HU, Verwaltungsleiter hätten sich massiv gegen ihre Wahl gewehrt und die Professoren beeinflusst. Walter hat früher selbst an der HU gearbeitet. Ob Walters Gegenkandidatin Heischkel genügend Stimmen auf sich vereint hätte, gilt aber keineswegs als sicher – auch sie war vor einer Woche skeptisch befragt worden. Die Fragen hätten "Verhörcharakter" gehabt, sagte ein Mitarbeiter der HU dem Tagesspiegel. Heischkel werde sich vermutlich nicht willkommen an der HU gefühlt haben. Die Kandidatinnen waren von einer Findungskommission aus den Bewerbern ausgewählt und vom Kuratorium vorgeschlagen worden. Der Findungskommission gehörten auch vier Mitglieder aus dem Konzil an, sodass jede Statusgruppe Einfluss auf die Auswahl der Kandidaten nehmen konnte.

HU-Präsident Olbertz fühlt sich offenbar bestätigt

HU-Präsident Olbertz erklärte: „Das Präsidium bedarf zwar dringend der Komplettierung für diesen wichtigen Aufgabenbereich. Doch jetzt brauchen wir an der HU eine Phase der Ruhe, um die richtigen Schlüsse aus dieser Situation zu ziehen.“ Demnach fühlt sich Olbertz von der gescheiterten Wahl bestätigt. Er hatte sich monatelang dafür ausgesprochen, die HU solle ihre Vizepräsidentschaft für Haushalt zugunsten eines Kanzlers aufgeben. Das Kanzlermodell gewährleiste nicht nur den Überblick über die Finanzen, sondern werde auch die Bewerberlage deutlich verbessern. Denn üblicherweise werden die Haushalte der Hochschulen von Kanzlern geführt – die aber als Beamte bei einem Wechsel ins HU-Präsidium Pensionsansprüche verlieren würden und auch nur auf fünf Jahre gewählt würden. Da das Konzil Olbertz nicht folgen wollte, hatte er im März mitgeteilt, für eine zweite Amtszeit nicht mehr bereitzustehen.

Die abgesprungene Kandidatin hat ihren Rückzug nicht schriftlich begründet. Aber an der HU ist nach den Anhörungen der Eindruck entstanden, sie habe Sicherheiten an der Position vermisst, die sie in Leipzig als Beamtin hat – womit Olbertz’ Warnungen Wirklichkeit geworden wären. Einer solchen Wahrnehmung widerspricht der Studierendenvertreter Geisler. Die „Riesenprobleme“ an der HU müssten vom „Kollektiv“ des Präsidiums gelöst werden. Ein „top down“ agierender Kanzler, wie es ihn an der FU gebe, werde wenig bewirken.

Michael Seadle, der Vorsitzende des HU-Konzils, bat Angela Walter nach der gescheiterten Wahl, zu ihm nach vorne zu kommen: „Wir haben ein kleines Geschenk für Sie, weil sie so mutig waren, sich zur Wahl zu stellen“, sagte er und überreichte ihr einen Blumenstrauß.

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