Klamme Unis : Brandenburg streitet über Studiengebühren

Der Präsident der Universität Potsdam fordert, das "ideologische Dogma der kostenfreien Bildung" zu überdenken, sollte Brandenburg bei seinem Sparkurs bleiben. Wissenschaftsministerin Kunst kann sich Studienkonten vorstellen.

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Soll das geldklamme Brandenburg über die Einführung von Studiengebühren nachdenken? Das hat der geschäftsführende Präsident der Universität Potsdam, Thomas Grünewald, angeregt – und erntet lebhaften Widerspruch. Grünewald sagte kürzlich, das Land müsse über ein „intelligentes Modell“ nachdenken, wie zusätzliches Geld eingetrieben werden könne, sollte es beim Wissenschaftsetat des Landes zu den angekündigten Kürzungen in Höhe von 27 Millionen Euro im Jahr kommen. Das „ideologische Dogma“ der kostenfreien Bildung sei zu überdenken, sagte Grünewald. Er favorisiere ein Modell der Studienkonten ähnlich wie in Rheinland-Pfalz. Dort wird allen Studierenden bei der Einschreibung ein Studienkonto mit 200 Semesterwochenstunden (SWS) zur Verfügung gestellt. Pro Semester wird eine bestimmte SWS-Anzahl abgebucht. Das Modell ist so gestaltet, dass Studierende dann zahlen müssen, wenn sie 1,75 mal länger studieren als vorgesehen.

In der Politik stieß Grünewald auf unterschiedliche Reaktionen. Wissenschaftsministerin Sabine Kunst, bis vor kurzem noch Präsidentin der Universität Potsdam, schloss in einer Reaktion zwar Studiengebühren in dieser Legislaturperiode aus. Der Denkprozess über Studienkonten solle aber geführt werden, sagte sie laut den „Potsdamer Neuesten Nachrichten“. Die Linke, der Koalitionspartner der SPD in Brandenburg, schloss dagegen auch das Studienkonten-Modell aus. Die Studierenden dürften nicht zur Schließung von Haushaltslöchern missbraucht werden. Die oppositionellen Grünen verwiesen darauf, dass Rheinland-Pfalz Studienkonten bald wieder abschaffen wolle. Die FDP unterstützte dagegen Grünewalds Vorstoß.

Der Asta der Uni Potsdam zeigte sich „fassungslos“ über die Überlegungen Grünewalds. „Plötzlich über Studiengebühren zu fabulieren, ist die komplett falsche Haltung“, kritisierten die Studierendenvertreter. Grünewald halte dem Druck der Landespolitik nicht stand.

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