Klima : Forscher weisen Hitzewellen in der Arktis nach

In der Arktis hat es in den vergangenen drei Millionen Jahren mehrere „Super-Warmzeiten“ gegeben, in denen die Temperaturen teilweise bis zu fünf Grad höher lagen als in gewöhnlichen Warmzeiten, wie auch derzeit eine herrscht.

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Wasser marsch. Das Eis auf dem See wurde künstlich verdickt, damit es das 100-Tonnen-Bohrgerät hält.
Wasser marsch. Das Eis auf dem See wurde künstlich verdickt, damit es das 100-Tonnen-Bohrgerät hält.Foto: Anders Noren/Science

Das berichten Martin Melles von der Universität Köln und Kollegen im Fachmagazin „Science“. Sie stützen sich auf Analysen von Sedimenten aus dem El’gygytgynsee im Nordosten Sibiriens, die ein lückenloses Klimaarchiv der letzten 2,8 Millionen Jahre bilden.

Die beiden untersuchten „Super-Warmzeiten“ herrschten vor 400 000 beziehungsweise 1,1 Millionen Jahren. Solch hohe Temperaturen und vergleichsweise große Niederschlagsmengen in hohen Breiten hatten Geoforscher bisher nicht für möglich gehalten. Allein mit einem hohen Gehalt an Treibhausgasen in der Atmosphäre oder astronomischen Parametern, die die Umlaufbahn der Erde um die Sonne beschreiben, lasse sich das Klima nicht erklären, berichten die Autoren. Sie vermuten, dass globale Kopplungseffekte eine Rolle spielen und haben dabei vor allem die Antarktis im Blick. Wie ein massiver Eisverlust des Kontinents im Süden zu einer maßgeblichen Temperatursteigerung im Norden führen könnte, diskutieren sie anhand zwei verschiedener Szenarien. Beide Hypothesen müssten weiter getestet werden, sagen die Forscher. „In jedem Fall sind die Polargebiete wesentlich anfälliger für Klimaänderungen, als wir bisher dachten.“

Um die Proben aus dem El’gygytgynsee zu gewinnen, bohrten die Wissenschaftler 2009 durch die Eisdecke des Gewässers und holten ein 318 Meter langes Sedimentprofil herauf, das nun genau analysiert wird. Es reicht sogar bis in die Zeit vor 3,6 Millionen Jahren zurück, als der See durch einen Meteoriteneinschlag geschaffen wurde. Das für diese Studie herangezogene Stück, die obersten 135 Meter der Seesedimente, repräsentieren die Zeit von vor 2,8 Millionen Jahren bis heute.

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