Klimawandel : Arktis in zehn Jahren fast eisfrei?

Die Eisschmelze in der Arktis geht schneller voran als angenommen: Laut einer jetzt in London vorgestellten Studie wird der Nordpol schon in 20 bis 30 Jahren im Sommer vollkommen eisfrei sein. Bereits in zehn Jahren dürfte das Packeis soweit geschmolzen sein, dass das Nordpolarmeer während des Sommers der Schifffahrt offen steht. 73 Tage lang – vom März bis Mai – waren der britische Forscher Pen Hadow und zwei Begleiter auf Skiern auf dem „ewigen Eis“ der Arktis unterwegs. Sie vermaßen das einjährige Eis und das mehrjährige Packeis, um daraus Voraussagen über dessen veränderte Dicke abzuleiten. Die Ergebnisse ihrer Catlin Arctic Survey führten auf alarmierende Weise frühere Studien fort, wie Polar-Experte Peter Wadhams von der Universität Cambridge bei der Vorstellung der Studie erklärte.

Während ihrer Expedition erfassten Polarforscher Hadow und seine Begleiter mehr als 6000 Daten über die Dicke und Dichte des Eises. Auf der 450 Kilometer langen Route betrug die durchschnittliche Dicke des einjährigen Eises demnach 1,8 Meter. Das einjährige Eis sei im Sommer „sehr anfällig“, sagte Wadhams. Es reiche nicht aus, um zur Regeneration des mehrjährigen Packeises beizutragen. Die Forscher fanden zudem heraus, dass das Packeis „schneller wegschmilzt“. Da eine viel größere Fläche als früher inzwischen nur noch von einjährigem Eis bedeckt sei, dürfte das Nordpolarmeer spätestens 2019 eine sicher zu passierende Wasserstraße sein. „Das ist ein konkretes Beispiel für fortschreitende globale Veränderungen“, sagte Wadhams.

Der Klimaexperte der Naturschutzorganisation WWF, Martin Sommerkorn, sagte, die Untersuchung zeichne ein düsteres Bild. Die Eisschmelze schreite „schneller voran als wir gedacht haben“. Satellitenaufnahmen hatten bereits im September gezeigt, dass die Eisfläche der Arktis in diesem Sommer zum dritten Mal in Folge extrem geschmolzen war. Laut dem Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung wurde am 12. September mit 5,1 Millionen Quadratkilometern die kleinste Eisfläche dieses Jahres im Nordpolarmeer registriert. Eine Rückkehr zur historischen Eisausdehnung von mehr als sieben Millionen Quadratkilometern, wie sie bis Ende der neunziger Jahre regelmäßig auftrat, sei nicht mehr zu erwarten, erklärte das Institut damals. AFP

0 Kommentare

Neuester Kommentar