Klimawandel : Erderwärmung auf Eis

Experten rechnen mit einem gleichbleibenden Klima für die nächsten 20 Jahre. Wie kommen diese neuen Prognosen zu Stande?

Dagny Lüdemann

Der Klimawandel war keine Ente. Langfristig wird sich die Erde in den nächsten Jahrhunderten weiter erwärmen – darüber sind sich die Wissenschaftler nach wie vor einig. Doch in den nächsten 20 Jahren wird diese Entwicklung stagnieren – im Durchschnitt sollen die Temperaturen auf der Erde fürs Erste nicht weiter ansteigen. Auf der Nordhalbkugel könnte es sogar etwas kühler werden. Zwischen den Jahren 2015 und 2020 dürfte die globale Erwärmung dann allerdings weiter voranschreiten.

Das jedenfalls sagen Klimaforscher des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften und des Hamburger MaxPlanck-Instituts für Meteorologie anhand verfeinerter Klimamodelle voraus. Zu dem Hauptautoren der jetzt im Fachblatt „Nature“ veröffentlichten Studie (Band 453, Seite 84) gehört der Kieler Mojib Latif, der im letzten Weltklimabericht aus dem Jahr 2007 noch von einer durchschnittlichen Erwärmung von etwa 0,2 Grad für jedes der kommenden Jahrzehnte ausgegangen war. Dass er und sein Team jetzt zu anderen Ergebnissen kommen, liegt daran, dass diesmal auch natürliche Temperaturschwankungen durch Meeresströmungen in das Klimamodell eingerechnet wurden.

Für ihre neuen Berechnungen zogen die Wissenschaftler die Oberflächentemperaturen des Wassers im Atlantik und Pazifik heran. Seit etwa 50 Jahren werden sie regelmäßig mit Hilfe von Forschungsbojen gemessen, die auch die Geschwindigkeit der Wasserströmungen messen. Weil der Golfstrom mal mehr, mal weniger warmes Wasser aus den Tropen in Richtung Nordpolarmeer transportiert, schwankt die Temperatur im Atlantik in regelmäßigen Zyklen.

Im Moment schwächelt der Golfstrom ein wenig – ein natürlicher Effekt, der nichts mit dem von Menschen verursachten Treibhauseffekt zu tun hat. Diese Abkühlung aus dem Meer haben die Klimaforscher nun mit der Erwärmung durch den Treibhauseffekt verrechnet: Die Auswertung ergab, dass es in den nächsten zehn Jahren über dem Nordatlantik, in Nordamerika und Europa vermutlich sogar ein wenig kälter werden wird. In den Tropen rund um den Pazifik wird das Klima nach diesen Berechnungen dagegen unverändert bleiben.

Mojib Latif warnte jedoch vor falschen Schlussfolgerungen. Die Klimaänderung werde damit nicht geringer. Wenn die natürliche Schwankung in einigen Jahrzehnten wieder nach oben weise und der Golfstrom besonders viel warmes Wasser in unsere Breiten spült, werden die Temperaturen auch insgesamt wieder stärker ansteigen. Eine hundertprozentige Vorhersage können die Forscher aber auch diesmal nicht machen. Dazu müssten die Simulationsmodelle noch weiter verfeinert werden. Und auch die Messungen der Wasserströmungen sind dafür noch zu ungenau.

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