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Klimawandel : Regen aus der Röhre

27.11.2012 14:40 Uhrvon
Wasserspender. Künstliche Beregnung hilft Pflanzen über die Trockenheit in den Sommermonaten. Foto: Monika von HaarenBild vergrößern
Wasserspender. Künstliche Beregnung hilft Pflanzen über die Trockenheit in den Sommermonaten. - Foto: Monika von Haaren

In Norddeutschland werden die Sommer künftig noch trockener sein. Neue Beregnungsanlagen sollen den Landwirten helfen, doch Naturschützer kritisieren die Technik.

Seit Generationen bauen Landwirte in der Norddeutschen Tiefebene Kartoffeln, Zuckerrüben, Möhren und Zwiebeln an. Auf ihren Feldern am östlichen Rand der Lüneburger Heide gedeihen Weizen, Roggen und Gerste. Land- und Forstwirtschaft sind hier wichtige Einnahmequellen, doch Wasser ist in dieser historisch gewachsenen Kulturlandschaft bereits heute knapp. Rund 70 Prozent der Ackerflächen müssen künstlich bewässert werden. „In Zukunft wird der Bedarf an Wasser noch größer sein, wie regionale Klimaprojektionen bis zum Jahr 2050 zeigen“, sagt Monika von Haaren von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

„Der steigende Wasserbedarf verstärkt jedoch die ohnehin schon bestehenden Spannungen zwischen Landwirtschaft und Naturschutz.“

Die Geographin leitet ein Forschungsprojekt, in dem Wissenschaftler, Landwirte und Naturschützer gemeinsam nach Auswegen aus diesem Dilemma suchen. Die Erkenntnisse könnten auch für andere Gebiete mit geringen Niederschlägen und leichten Böden nützlich sein. Den Klimamodellen zufolge wird es in Norddeutschland künftig im Sommer weniger regnen. Damit fällt die Trockenheit gerade in die Wachstumsphase der Pflanzen, in der sie besonders auf Wasser angewiesen sind. Sie bilden weniger Blätter als üblich und verlieren sie auch früher wieder. Das mindert die Erträge.

Um der zunehmenden Trockenheit zu begegnen setzen die Wissenschaftler auf eine bessere Bewässerung wie die „Kreisberegnung“. Dabei wird ein langes Gestell, das mit Wasserdüsen bestückt ist, um einen zentralen Mast rotiert. „Das reduziert den Wasserverbrauch um bis zu 20 Prozent und den Energieverbrauch um bis zu 50 Prozent“, sagt von Haaren.

Voraussetzung für den Einsatz der neuen Technik sind allerdings größere Äcker und Felder. Derzeit beträgt ihre Größe in der Pilotregion Ostheide im Durchschnitt sechs Hektar. Optimal wären aber, das ergaben die Experimente, mindestens 25 Hektar. „Große Produktionsflächen, die gut erschlossen sind, senken obendrein die Arbeitskosten“, sagt die Wissenschaftlerin. Um das zu erreichen, haben einige der Landwirte, die mit den Forschern kooperieren, untereinander ihre Pachtflächen getauscht oder benachbarte Grundstücke hinzugekauft.

Doch größere Flächen führen zu neuen Problemen. Aus Sicht des Naturschutzes schlagen die für die Beregnung optimierten Flächen negativ zu Buche, weil Hecken oder Bäume, die „im Weg stehen“, abgeholzt werden. Wieland Utermark vom Umweltverband BUND sieht sehr wohl, dass die Kreisberegnung mehr Vorteile hat als die früher übliche Trommelberegnung, die dem Prinzip „Gartenschlauch“ recht ähnlich ist. „Das Wasser kommt besser an die Pflanzen heran. Außerdem kann man die Anlage von 11 bis 17 Uhr abschalten. Das senkt die Verdunstung.“ Aber wenn Flächen zusammengelegt werden und die Verbindungswege wegfallen, sei das durchaus kritisch. „Über Ausgleich für den Naturschutz muss verhandelt werden“, sagt er. Zum Beispiel durch Streifen aus Kräutern und Stauden oder aus Sträuchern wie Weiß- oder Rotdorn. Sie bieten Lebensraum für Insekten, Feldhasen und Vögel.

Solche Blüh- oder Ackerrandstreifen sind besonders wichtig für bodenbrütende Vögel. Dazu gehören das Rebhuhn, die Wachtel, Feld- und Heidelerche sowie der europaweit gefährdete Ortolan, auch Gartenammer genannt. Der Ortolan, dessen Gesang – „ridri-dri-dri-jööj“ – einst Ludwig van Beethoven zu seiner Fünften Symphonie inspiriert haben soll, ist hier in der Region mit einer bedeutenden Brutpopulation vertreten.

Außerdem soll die Aufnahmefähigkeit des Bodens als Grundwasserspeicher verbessert werden. Das geschieht durch den sukzessiven Umbau des Waldes: weniger Kiefern, mehr Laubbäume wie Buche, Eiche und neuerdings auch Esskastanie. Unter einem Laubwald bildet sich mehr Grundwasser neu als unter einem Kiefernforst. Zudem ist er weniger anfällig für Schädlinge und Waldbrände.

Ein weiteres Ziel des Forschungsprojektes ist die Anlage von Speicherbecken. Sie sollen die in Zukunft stärkeren Regenfälle im Winter auffangen, damit sie im Sommer für die Feldberegnung verwendet werden können. Außerdem soll dort auch Prozesswasser gespeichert werden, das beispielsweise bei der Verarbeitung von Zuckerrüben zu Zucker anfällt. Damit die Felder auch weiterhin hohe Erträge bringen.

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