Klimawandel : Wärmer mit Wolken

Klimaskeptiker widerlegt: Mehr Bewölkung kann Erderwärmung nicht rückgängig machen. Es wird in Zukunft mehr Wolken geben, kühler wird es dadurch nicht.

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Sonnenschirm. An der Oberseite der Wolken werden die Strahlen reflektiert, drunter wird’s kühler. Dieser Effekt wird aber bei steigenden Temperaturen verhältnismäßig schwächer. Foto: ddp
Sonnenschirm. An der Oberseite der Wolken werden die Strahlen reflektiert, drunter wird’s kühler. Dieser Effekt wird aber bei...Foto: ddp

Eines der wesentlichen Argumente von „Klimaskeptikern“ lautet: Im Zuge der Erderwärmung gibt es mehr Wolken, die ihrerseits wie ein Sonnenschirm wirken. Dadurch wird es wieder kühler, das Klima stabilisiert sich. Diesen behaupteten Zusammenhang hat jetzt Andrew Dessler von der Texas A&M Universität in College Station mit umfassenden Satellitendaten aus den vergangenen zehn Jahren widerlegt. Er berichtet davon in der Fachzeitschrift „Science“ (Band 330, Seite 1523).

Dass es künftig mehr Wolken geben wird, ist ziemlich sicher. Gelangen mehr Treibhausgase in die Luft, steigt die Temperatur, es verdampft mehr Wasser aus den Meeren, die Luftfeuchtigkeit nimmt zu und es entstehen mehr Wolken. Deren Wirkung auf das Klima ist etwas komplizierter. Wenn die Sonne die Erdoberfläche wärmt, strahlt diese einen Teil der gespeicherten Energie als infrarote Strahlung wieder nach oben. In einer sternenklaren Nacht gelangen diese Wärmestrahlen ungehindert in den Weltraum und am Erdboden wird es empfindlich kühl. Ziehen Wolken auf, fangen sie die Infrarotstrahlung auf und halten so die Wärme auf dem Globus. Mit Wolken wird es also wärmer, zumindest nachts.

Auch tagsüber fangen die Wolken einen Teil der Wärmestrahlen vom Boden auf. An ihrer Oberseite werden aber zugleich einfallende Sonnenstrahlen zurück ins All gelenkt – diese Wirkung ist deutlich stärker. Nimmt man Tag- und Nachtzeiten zusammen, dann dominiert gegenwärtig der kühlende Effekt, schreibt Dessler. Klimaskeptiker nehmen an, dass das auch in Zukunft so bleiben wird. Bilden sich also bei steigenden Temperaturen mehr Wolken, würden diese die Erwärmung bremsen und das Klima stabilisieren, sagen sie.

Die meisten Klimaforscher vermuten jedoch, dass die Verhältnisse sich bei steigenden Temperaturen grundlegend ändern und mit der Zeit der wärmende Effekt der Wolken die Oberhand gewinnt. Diese Annahme konnte Dessler jetzt mit Fakten belegen. Für seine Untersuchung nutzte er Strahlungsdaten, die der amerikanische Satellit „Terra“ zwischen März 2000 und Februar 2010 geliefert hatte. In diesen zehn Jahren gab es kurzfristige Klimaschwankungen, wie die warme El Niño- und die kühle La Niña-Anomalie. Gerade in El Niño-Jahren mit etwas höheren Temperaturen halten die Wolken mehr Wärme auf der Erde, weil sie die aufsteigende infrarote Strahlung besser abfangen, stellt Dessler fest. Der wärmende Einfluss wuchs in dieser Zeit stärker als der kühlende.

Nach wie vor unklar ist jedoch, welchen Einfluss die Wolken bei den langfristigen Klimaänderungen infolge steigender Kohlendioxidgehalte haben und in welchem Maß sie die Erderwärmung noch verstärken. Allerdings kann Dessler ausschließen, dass die häufiger auftretenden Wolken das Klima wieder kühlen und somit stabilisieren.

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