Klimwandel : Fernes Futter

Veränderungen der Meeresströme rauben den Magellanpinguinen die Nahrung.

Roland Knauer
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Kein Fisch in Sicht. Die Magellanpinguine finden kaum noch Futter. Foto: p-a/Okapia

Er ist am Ende seiner Kräfte. Mit Mühe schwimmt der Magellanpinguin (Spheniscus magellanicus) durch die Brandung am Atlantikstrand von Punta Tomba in Argentinien und watschelt ein paar Schritte ins Trockene. Dann fällt er völlig erschöpft um und bleibt ein paar Augenblicke regungslos liegen. Bis zu zehn Tage lang sind die Tiere auf der Suche nach kleinen Fischen im Meer unterwegs, immer auf der Hut vor Raubfischen und Meeressäugern, die auch Pinguine auf dem Speiseplan haben. Lange kann sich der mit vier Kilogramm gerade gänsegroße Vogel nicht ausruhen: Ein paar hundert Meter weiter wartet der Partner samt Nachwuchs bereits ungeduldig auf Futter. „Immer häufiger dauert dieses Warten zu lange – der Nachwuchs überlebt nicht“, berichtet die Zoologin Dee Boersma von der Universität Washington. Denn der Klimawandel verändert die Meeresströmungen an der Küste Argentiniens und verlängert dadurch oft die Wege der Pinguine zu ihren Jagdgründen.

Wenn der Magellanpinguin zu seinem Nachwuchs zurückkehrt, in die Bruthöhle, die die Elterntiere in den Boden Patagoniens gegraben haben, hat er die begehrte Beute dabei: kleinere Fische und Tintenfische und einen Krill genannten, zwei Gramm schweren Kleinkrebs. Diese Tiere aber leben vor allem in Meeresgebieten, in denen Strömungen Nährstoffe vom Grund des Ozeans an die Oberfläche tragen. Seit die Erderwärmung stärker voranschreitet, ändern sich diese Meeresströmungen häufiger und damit auch die Lage der Regionen, in denen ausreichend Futtertiere leben. „Da passiert es leicht, dass die Pinguine von ihrer Bruthöhle in Punta Tomba 50 Kilometer weiter zu ihren Fanggründen schwimmen müssen als gewohnt“, berichtet Dee Boersma. Je länger die Reise zu den Jagdgebieten dauert, desto mehr Zeit benötigen die Pinguine auch, um zur Höhle zurück zu kommen. Die Folge: Der Nachwuchs hungert länger und auch der Partner muss länger auf Nahrung warten.

Häufiger Regen - die Küken ertrinken

Diese schlechtere Ernährungssituation kann Dee Boersma an der Kolonie direkt ablesen: Brüteten dort 1986/1987 noch rund eine Viertel Million Paare der Magellanpinguine, geht diese Zahl seither zurück. 2008/2009 gab es nur noch rund 200 000 Brutpaare. Natürlich merken auch die Pinguine bald, dass ihnen der Arbeitsweg von Punta Tomba aus zu lang wird und sie immer weniger Nahrung für den Nachwuchs mitbringen. Einige jüngere Pinguine weichen daher zum Brüten in andere Regionen aus, die näher bei den neuen Nahrungsgründen liegen. Dee Boersma hat manche Pinguine, die sie in Punta Tomba beringt hatte, bereits 400 Kilometer weiter beim Brüten beobachtet. Ein neuer Wohnsitz aber nützt ihnen in Zeiten des Klimawandels wenig. Wenn sich nämlich die Meeresströmungen in jeder Saison ändern, kann es leicht passieren, dass der Weg zu den Nahrungsgründen auch von der neuen Bruthöhle wieder zu weit ist, sagt die Biologin: „Nicht der Klimawandel selbst, sondern sein hohes Tempo bedroht die Magellanpinguine.“

Obendrein führen die Veränderungen in der Atmosphäre dazu, dass zwischen Mitte Oktober und Mitte Dezember viel häufiger Regen in der Halbwüste Patagoniens niedergeht als früher. Dann laufen die Bruthöhlen und die Brutmulden wie kleine Swimmingpools voll Wasser und Eier oder kleine Küken ertrinken in den Fluten. An solche Überflutungen sind die Pinguine ebenfalls nicht angepasst.

Auch in zahlreichen anderen Kolonien nimmt die Zahl der Magellanpinguine ab. Schätzungen zufolge gibt es auf der ganzen Welt nur noch etwa 1,3 Millionen Brutpaare. Deshalb wurden die Tiere nun auf die Vorwarnliste der gefährdeten Arten gesetzt. 

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