Klinikführer : Auf dem Prüfstand

Wie Rankings Kliniken besser machen können.

Hannes Heine

Was geht in Pflegeheimen wirklich vor? Brauchen Klinikpatienten mehr Durchblick? Und wie wichtig sind Rankings? Um diesen Fragen nachzugehen, trafen sich Klinikdirektoren, Chefärzte und Pflegeexperten auf dem ersten Nationalen Qualitätskongress Gesundheit, der am Freitag in Berlin zu Ende ging. Einig waren sich die Teilnehmer, dass letztlich der Wettbewerb in Medizin und Pflege über Qualität und Transparenz der Behandlung entscheiden wird. „Mit dem Vergleich endet die Selbstzufriedenheit“, stellte Heinz Lohmann, Chef der Initiative Gesundheitswirtschaft, fest.

Inzwischen bemühen sich zahlreiche Projekte um mehr Transparenz im Gesundheitswesen. So ist der Klinikführer des Tagesspiegel in diesem Jahr zum zweiten Mal erschienen und seit einer Woche auch als Heft erhältlich. In 13 Folgen erschien im gerade zu Ende gegangenen November außerdem der Pflegeheimvergleich, in dem mehr als 200 Heime in ganz Berlin miteinander verglichen wurden. Studien zu ähnlichen Veröffentlichungen in den USA haben gezeigt: Die Chance, dass etwa ein gutes Krankenhaus auch als solches wahrgenommen wird, steigt nach öffentlichen Vergleichen um 50 Prozent. In Berlin allerdings hätte sich an den Fallzahlen der Krankenhäuser nach dem Tagesspiegel-Klinikvergleich vorerst wenig geändert, erklärte Bertram Häussler vom Institut für Gesundheits- und Sozialforschung. Die Kliniken, die vergleichsweise schlecht abgeschnitten hatten, mussten keine Verluste bei den Patientenzahlen verbuchen. Darüber, ob ein klares Ranking der Krankenhäuser generell wünschenswert sei, waren sich die rund 150 Kongressteilnehmer nicht einig. Kritiker wandten ein: Es wäre irreführend, Kliniken nur über Zahlen zu vergleichen. So hinge etwa die Sterberate nicht nur von den Ärzten und Pflegern ab, sondern auch vom Zustand der Patienten vor der Aufnahme.

Weniger kontrovers wurde über die Situation in den Pflegeheimen diskutiert. Mehr als 80 Prozent der befragten Heimbewohner gaben einer Studie zufolge an, dass Schwestern und Pfleger zu wenig Zeit für sie hätten. Ausgebildete Altenpfleger sollten deshalb nicht wie derzeit üblich mit zahlreichen Verwaltungsaufgaben betraut werden, forderte die Darmstädter Pflegewissenschaftlerin Ulrike Höhmann. Darüber hinaus warnte die Professorin vor mehr unqualifizierten Hilfskräften in der Branche.

Darauf, dass es auch in den Kliniken noch viel zu tun gibt, wiesen mehrere Kongressteilnehmer hin: Schätzungen zufolge ließen sich bei besserer und schnellerer Versorgung jährlich rund 30 000 Todesfälle in deutschen Krankenhäusern vermeiden. Hannes Heine

Die Einzelausgaben und die Buchform der Tagesspiegel-Klinikserie können ebenso wie die einzelnen Folgen des Pflegeheimvergleichs unter Telefon 030/ 26009 500 zum Preis der gedruckten Ausgabe plus Porto nachbestellt werden.

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