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Koalitionsverhandlungen : Berlins Wissenschaft wird Chefsache

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller will auch Wissenschaftssenator werden - was auf ihn und die Hochschulen zukommt.

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Wissenschaftsfreundlich. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller.
Wissenschaftsfreundlich. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller.Foto: dpa/p-a

Der Regierende Bürgermeister als Wissenschaftssenator: Diese Nachricht löst bei den Berliner Hochschulpräsidenten große Freude aus. TU-Präsident Christian Thomsen sagt: "Wir finden das großartig. Es ist die richtige strategische Entscheidung, das Thema Wissenschaft auf höchster Ebene zu bedienen." So sieht es auch FU-Präsident Peter-André Alt: "Die Wissenschaft wird Chefsache - das begrüße ich sehr. Fortan können wir unsere Themen direkt mit dem Regierenden Bürgermeister besprechen. Es ist auch ein Zeichen der Anerkennung für das, was die Berliner Wissenschaft geleistet hat, für ihre sehr gute Entwicklung, die auch der Stadt zugutekommt." Klaus Semlinger, Präsident der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW), sagt: "Dinge von herausragender Bedeutung sollen Chefsache werden." Das treffe auf die Wissenschaft allemal zu, Müllers Entscheidung sei angesichts des "Wissensbedarfs der Stadt" genau richtig. Auch Sabine Kunst, die Präsidentin der Humboldt-Universität, würde es gefallen, wenn sich die Berichte vom Regierenden Bürgermeister als Wissenschaftssenator bestätigen: „Die herausragende Bedeutung der Hochschulen und der Forschung für den Wissenschaftsstandort Berlin wäre damit noch sichtbarer“, teilt sie mit.

Müller hat sich bereits für die Wissenschaft engagiert: Berlin schafft 50 neue IT-Professuren

Michael Müller hat eine schlaue Entscheidung getroffen. Er kann sich selbst mit Berlins immer heller strahlenden Wissenschaft schmücken, durch die die Stadt auch zahlreiche wirtschaftliche Impulse empfängt. Müller hatte schon länger erkennen lassen, dass er die Wissenschaft zu seiner Sache machen will, und das nicht nur durch Worte: Kurzerhand setzte er im Sommer vor einem Jahr einen Vorschlag um, in Berlin 50 neue IT-Professuren zu schaffen.

Berlins Unis als lästige Kostgängerinnen - das ist Geschichte

Müllers Signal „in Berlin ist die Wissenschaft Chefsache“ wird der Bewerbung der Berliner Unis im nächsten Exzellenzwettbewerb nicht schaden. Man erinnere sich an die Exzellenzrunde im Jahr 2007, als der Wissenschaftsrat in internen Papieren das finanzielle Engagement Berlins für seine Unis anzweifelte. In den anderthalb Jahrzehnten nach dem Mauerfall mussten Berlins Universitäten schmerzhafte Sparorgien über sich ergehen lassen. Noch als es finanziell zur Konsolidierung und zur Trendwende kam, zeigten Finanzsenatoren wie Thilo Sarrazin und Ulrich Nußbaum öffentlich, dass sie die Unis vor allem als lästige Kostgängerinnen betrachten. Mit Müllers Entscheidung ist die Herablassung endgültig Geschichte. Schon in den Koalitionsverhandlungen haben die Parteien den anstehenden Verhandlungen über neue Hochschulverträge für die Jahre nach 2017 vorgegriffen und einen moderaten Aufwuchs 3,5 Prozent beschlossen.  

Große Weichenstellungen muss Müller nicht einleiten

Viel Arbeit wird Müller mit der Berliner Wissenschaft nicht haben. Die großen Weichen sind längst gestellt: Schon lange stimmen die Unis ihre Professuren miteinander ab, die Forschung hat sich in den vergangenen zehn Jahren durch die Exzellenzinitiative stark vernetzt, für die kommende Runde des Wettbewerbs stimmen die Unis sich auch auf operativer Ebene noch weiter ab. Um Details dürfte sich weiterhin der als kompetent geltende Staatssekretär Steffen Krach kümmern.  Läuft alles nach Plan, kann Wissenschaftssenator Müller im Jahr 2019 die drei frisch gekürten Berliner Exzellenzunis beglückwünschen.

 

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