Kolumne : AhA: Warum haben Vögel Federn?

Thomas de Padova

Archaeopteryx, dessen Skelette im Solnhofener Schiefer in Bayern gefunden wurden, hatte schon vor 150 Millionen Jahren Flugfedern. Er wird daher oft als „Urvogel“ bezeichnet, denn flugtaugliche Federn sind das charakteristische Merkmal der Vögel.

Die Feder ist allerdings älter als der Vogel. Denn zunächst standen die Flugeigenschaften der Federn nicht im Vordergrund. Der Vogelflug konnte erst entstehen, nachdem sich einfache Feder-Vorformen ausgebildet hatten, die ursprünglich anderen Zwecken dienten. „Die Vorläufer der Vögel haben Federn zur Wärmeisolation entwickelt“, sagt Gerald Mayr, Leiter der Ornithologie am Senckenberg-Museum in Frankfurt am Main. „Heute wird allgemein angenommen, dass es sich um zweibeinige Dinosaurier handelte, die ihr Federkleid zum Schutz vor Wärmeverlust brauchten.“

In China haben Forscher in den vergangenen Jahren viele neue Arten gefiederter Dinosaurier entdeckt. Darunter etwa den Raubsaurier Sinosauropteryx, der sich mit seinem daunenartigen Gefieder nicht in die Lüfte erheben konnte. Die Federn von Microraptor gui ähneln schon eher denen des Archaeopteryx. Sie sind asymmetrisch und weiter entwickelt.

Federn halten aber nicht nur warm, man kann mit ihnen auch angeben. Heutige Vögel stellen ihr Federkleid gerne zur Schau. Vor allem Männchen werfen sich zur Balz in Schale. Mit ihren Schmuckfedern versuchen sie, den Weibchen zu imponieren und diese anzulocken. Nach der Brutzeit folgt in der Regel die Mauser, das imposante Gefieder wird nicht selten gegen ein schlichteres eingetauscht.

Dass auch Schmuckfedern schon vor den Flugfedern entstanden sind, legt der jüngste Fund eines taubengroßen Skeletts in China nahe: Der flugunfähige Dinosaurier Epidexipteryx hui putzte sich schon vor 152 bis 168 Millionen Jahren mit langen, breiten Schwanzfedern heraus. Thomas de Padova

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